Gemeinschaft, § 229

1927 – II – 13

Standhaftigkeit, Ruhe, Findigkeit und Schnelligkeit – danach fragt jeden, der Hingebung zur Gemeinschaft bekennt. Doch Ruhe kann im Schlaf in Erscheinung treten, Standhaftigkeit in Untätigkeit, Findigkeit bei der Mahlzeit und Schnelligkeit im Empfang von Geld. Die Gemeinschaft ist ständig der Prüfung unterworfen. Die neuesten Lebensformen sind von der Prüfung nicht ausgenommen. Ihr wisst, dass Wir gegen angekündigte Schulprüfungen sind. Ebenso sind Wir gegen im Voraus festgesetzte Prüfungsperioden. Dieses oberflächliche Erwerben von Wissen und diese heuchlerischen Richtlinien des Benehmens beschleunigen die Entwicklung nicht, sondern verzögern sie. Ich kann Mich an keine hervorragende Persönlichkeit des öffentlichen Lebens erinnern, die Bildung erlangte, weil sie sich diesen heuchlerischen Bedingungen unterworfen hat. Beginnt mit dem Aufbau der Gemeinschaft als ein Heim des Wissens und der Schönheit. In diesem Haus wird nicht mit herkömmlichen Maßstäben gemessen werden. Jeder wird bestrebt sein, Wissen zu erlangen und dieses zum Ausdruck zu bringen. Nur stets fortschreitende Erkenntnis wird eine Hilfe sein, nur gesättigte Arbeit wird verhindern, in finstere Winkel zurückzukehren. Doch Wir erwarten jene, die bestrebt sind, das alte Leben aufzugeben. Es gibt nichts Schlimmeres, als vertrocknete Krumen mit sich zu tragen. Diese Krumen berauben der Freude. Der neue Bau muss von alten Wohnhäusern getrennt stehen, damit das Gebäude, in dem die Zukunft der Menschheit geschmiedet wird, von der Geschäftigkeit des Alltags unberührt bleibt. Wir billigen es, wenn die Mitglieder der Gemeinschaft vom Leben nicht zu viel verlangen; damit bestätigen sie den Fortbestand des Seins. Aber der Qualität des Bewusstseins müssen die Mitglieder der Gemeinschaft verstärkte Sorgfalt widmen. Man muss wiederholt über Bewusstsein sprechen, denn die Menschen sind nicht gewohnt, es zu fühlen. Mitleid wird oft für Mitgefühl gehalten, Zorn für Empörung und Selbsterhaltung für Mut. Man muss verstehen, wie dringend notwendig es ist, seine Begriffe zu läutern, nicht allein in Gedanken, sondern auch in der Tat.

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