Gemeinschaft, § 222

1927 – II – 6

Selbst bei einer Mahlzeit gehen die Menschen mit ungewohntem Besteck zaghaft um. Es wäre ein nicht wiedergutzumachender Fehler, einen Gedanken auszusenden, ohne die Qualität des Empfängers zu berücksichtigen. Seit langem wurde von der Notwendigkeit einer für jeden Zuhörer verständlichen Sprache gesprochen, doch im Leben wird dies sehr selten angewandt. Um durch Anwendung der psychischen Energie zu überzeugen, sollte man die Sprache dessen gebrauchen, der überzeugt werden soll. Ihr konntet oft bemerken, dass die Sprache des Lehrers den Ausdrücken der Schüler angepasst war. Daher stammen die dummen Verdächtigungen über Fälschung, denn für manche schien es befremdend, dass die charakteristischen Ausdrücke des Schülers in der Rede des Lehrers Beachtung fanden. Doch wenige dachten darüber nach, dass auf diese Weise das Aneignen erleichtert wurde. Man muss auch verstehen, dass bei vereinter Arbeit die Ausdrucksformen verallgemeinert werden – die Hieroglyphe des Verstehens wird vertieft. Doch die Unwissenden fahren fort, durch Fälschungen zu verleumden und wollen nicht auf sich achten sowie im Verkehr mit verschiedenen Leuten an die Verschiedenheit ihrer Ausdrücke denken. Wir erweitern nur dasselbe Prinzip. Wir schlagen vor, die Sprache des Zuhörers in allen ihren Eigenarten anzuwenden. Es trifft Uns nicht, wenn Uns der Durchschnittsbürger beschuldigt; alles, was Wir brauchen, ist ein gutes Ergebnis. Auch wenn ihr, um euch vor Gefahr zu retten, den fremdesten Ausdruck verwenden müsst, so zögert nicht, dies zu tun! Dieser Umstand ist zur Vervollkommnung der Gedankenübertragung unumgänglich. Vor allem müsst ihr eure Findigkeit und Anpassungsfähigkeit unter verschiedensten Umständen prüfen. Leichte Denkart wird euren Gedanken Flügel verleihen. Ihr könnt mit dem eigenartigsten Ausdruck eures Zuhörers beginnen. Das gewohnte Wort bleibt in seinem Bewusstsein leichter haften, und deshalb sollte man mitfühlend jede Eigenart beachten. Man sollte Tausende Augen haben!

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