Gemeinschaft, § 206

1927 – I – 17

Wahrlich, der Kampf richtet sich gegen das Augenscheinliche. Realität ist nicht das Augenscheinliche. Die sich durch äußere Zeichen darbietende Augenscheinlichkeit stellt keine Wirklichkeit dar. Die alten Lehren vom Positivismus ersetzten Glaubwürdigkeit durch Augenscheinlichkeit, und dafür gibt es nur eine Entschuldigung – man hatte weder Mikroskope noch Teleskope, weder nach unten noch nach oben. Doch der forschende Verstand ist an der herkömmlichen Augenscheinlichkeit nicht interessiert, er will Wirklichkeit im Fassen kosmischer Gesetze. Er versteht, dass man die Perle in der Tiefe nicht sehen kann und dass Luftschichten einen Schwarm von Adlern verdecken können. Vor kurzem sprachen Wir über die Verteidigung der Wirklichkeit. Denkt daran, dass nicht die Analphabeten sich gegen Wirklichkeit ereifern werden, sondern diese kleinen ‘Schriftkundigen’ werden ihre kurzsichtige Augenscheinlichkeit mutig verteidigen. Sie werden meinen, dass die innerhalb ihres Gesichtskreises eingeschlossene Welt die wirkliche und alles andere, was für sich unsichtbar bleibt, eine schädliche Erdichtung sei. Was liegt dieser armseligen Beschränktheit zugrunde? In einem veränderten Aspekt ist es die gleiche Idee über persönliches Eigentum. Dies ist mein eigener Schweinestall, und deshalb ist alles, was sich außerhalb seiner befindet, unnötig und verderblich. Dieser ist für mich augenscheinlich und deshalb existiert außer ihm nichts. Die bekannte Fabel vom Elefanten und den sieben Blinden ist dafür ein treffendes Beispiel. Gewiss, wie Wir sagen, die Gemeinschaft kämpft für die Wirklichkeit. Ihr habt eine andere Art von Verbündeten: jene, die nach Wahrheit streben, für die Augenscheinlichkeit nichts als ein unreines Glas ist. Wenn chemische und biologische Augenscheinlichkeit kompliziert sind, dann ist die Augenscheinlichkeit der Aufbauebenen des Lebens und der Taten noch komplizierter. Ohne die Bewusstseinsentwicklung werden wir in einer ständigen Luftspiegelung verharren; wie in Katalepsie, wir werden in starrem Schrecken verzerrt sein. Weiche, Maja! Wir wollen und werden die Wirklichkeit kennen!

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