1926 – XII – 17
Stellen wir uns vor, ihr seht einen Menschen, der Böses tut, jedoch noch einen Funken psychischer Energie besitzt. Ihr werdet natürlich beginnen, mit ihm über die besseren Eigenschaften des sich in Entwicklung befindlichen Menschen zu sprechen. Euer Gesprächspartner wird, wie es meistens geschieht, augenblicklich mit euch übereinstimmen, ohne zu bedenken, dass dies ihn selbst betrifft. Es wäre unnütz, ihm zu sagen, dass er schlecht handle, doch man könnte sagen, dass seine Handlungsweise nicht der Richtung der Evolution entspricht. Es ist keine Sache des Guten oder Bösen, es geht darum, dass sein Betragen nicht zielstrebig und daher nicht nützlich ist. Wenn euer Gesprächspartner vorgibt, ein Mitglied der Gemeinschaft zu sein, wird die Unterhaltung einfacher. Dann könnt ihr als Anhänger der Gemeinschaft fordern, die Grundlagen der Evolution zu wahren. Sogar für Schweinezucht sind bestimmte Lebensbedingungen erforderlich. Wie kann dann ein Mensch, der sich für Heldentat des sozialen Lebens entschloss, in seinen früheren groben Gewohnheiten verharren? Wie können Lüge oder Feigheit unter der Maske der Zusammenarbeit leben? Am wenigsten von allem interessiert Uns wörtliche Beteuerung. Für Uns sind der Bewusstseinszustand und die Tat von Bedeutung. Wie Ärzte die inneren Empfindungen und Schwankungen des Zustandes des Patienten beobachten und seinen Launen keine Aufmerksamkeit schenken, so beachten Wir keine wörtlichen Versicherungen, sondern wiegen die Eigenschaft der Tat. Von uns werden alte Prüfungsmethoden angewandt. Die, Prüfung dauert lange und kommt unverhofft. Erinnert ihr euch der Übungen Buddhas mit seinen Schülern in Bezug auf das Unerwartete? Könnte Unerwartetes Angst oder Lüge prüfen? Gerade das Unerwartete. Notwendigkeit wird nicht der entscheidende Faktor sein. Ein Dieb scheint vor dem Richter ein Muster von Ehrlichkeit zu sein. Seht ihn euch aber nicht vor dem Richter, sondern in einem dunklen Gässchen an! Verschmäht Prüfungen nicht, denn die Lösung der Heldentat des Lebens muss wie Stahl durch das Feuer erprobt werden. Jene, die Worten trauen, sind entweder unerfahren oder nicht standhaft. Erfahrung kann nur durch unveränderliches Streben in Unanfechtbarkeit übergehen. Versteht ihr zu streben?