Gemeinschaft, § 170

1926 – XII – 8

Wir sprachen über Bedingungen und über Unterschiede. Es erhebt sich natürlich die Frage, was gewöhnlich und was ungewöhnlich ist. WIR betrachten alles als gewöhnlich, in der Vorstellung eines Menschen mit niederem Bewusstsein ist vieles ungewöhnlich. Das Gewöhnliche und das Ungewöhnliche unterscheiden sich nur durch die Bewusstseinsstufe. Es ist richtiger, zu sagen: Aufgenommenes und Nichtaufgenommenes, Erkanntes und Nichterkanntes. Bei Uns wird das Ungewöhnliche anders verstanden. Jeder Bewusstseinstyp hat seine gewöhnliche Gruppierung der Zentren, genauso wie man mathematische und philosophische Denktypen unterscheidet. Aus diesen Bewusstseinskreisen ragt oft eine Zentrengruppierung hervor, die keinem dieser Typen eigen ist. Diese Bewusstseinszweige sind wahrlich ungewöhnlich; sie geben nämlich ihrem Besitzer viele Möglichkeiten, doch wenig irdisches Glück. Und selten kann der Besitzer selbst die Symptome dieser Bewusstseinszweige aufzeigen. Dieser ungewöhnliche Charakterzug versinkt in der Bewusstseinsroutine. Auch ein erfahrener Psychologe wird diese unverhofften Blüten nur mit Mühe finden. Während Krankheiten durch die Ausstrahlung deutlich wiedergegeben werden, formulieren sich die ungewöhnlichen Bewusstseinszweige nur mit Schwierigkeit. Allerdings, Ausstrahlungen geben das vollständige Bild des Menschen wieder, doch psychisch Unerkanntes gibt einen schwer festzustellenden, schwankenden Umriss. Hier befindet sich für eine gewisse Bewusstseinsgruppe der Bereich des Ungewöhnlichen und solche Blüten zwischen Steinen sind besonders wertvoll. Denkt über Psychose nach, denkt über Verbrechen nach, denkt über Unausgeglichenheit nach!

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