1926 – XII – 6
Seid vorsichtig im Aussprechen von Wünschen. Jeder kennt viele Gleichnisse und Märchen, welche die hässlichen Folgen unbekümmerter Wünsche beschreiben. Erinnert euch an den Raja, der sich ein herrliches Schloss wünschte und dieses auch erhielt; doch als er es betrat, dachte er an einen angreifenden Tiger; dieser erschien und riss ihn in Stücke. Die Symbole der Gleichnisse enthalten viel Wirklichkeit. Würden die Menschen die Macht des Willens erkennen, fänden viele Erscheinungen eine nützliche Erklärung. Wahrlich, keine zwingende Willensanspannung, sondern die dynamische Übereinstimmung der Zentren bewirkt die Erfüllung. Deshalb spaltet ein oft wiederholter Wunsch, wie ein stumpfes Schwert, nicht den Raum. Hingegen durchschlägt der Klang unerwarteter Übereinstimmung die dichteste Oberfläche. Erzählungen über Magier, die tödliche Krankheiten aussandten, sind keine Erdichtungen, denn es handelt sich um keine Zauberei, sondern nur um Willensübung. Der schwächste Hypnotiseur kann einen zwingen, die Wirkung des Ertrinkens zu erleben. Er kann sogar den Befehl erteilen, zu einem bestimmten Termin zu sterben. Solche Fälle sind berichtet worden. Nun stellt euch den Willen vor, der unter günstigen Bedingungen geschult worden ist, und es wird euch leichtfallen, zuzustimmen, dass das ‘tödliche Auge’ des Ostens auf Wahrheit beruht. Die Macht des Willens kann nicht bezweifelt werden, doch eine andere Sache ist es, über diese Macht im Leben zu verfügen. Wie können die Bedingungen gefunden und erkannt werden, unter denen ein Wunsch das durch unseren Willen identifizierte Wesen durchdringen kann? Es ist besonders notwendig, auf die Funken unseres Bewusstseins zu achten. Auch wenn ein Körper fast unsichtbar ist, leuchten die Gedankenblitze trotzdem auf, und auf der Spitze dieses Blitzes sind Leben und Tod. Einst lebte ein gewisser Herrscher, der zu einigen Verbrechern sagte: ‘Ihr habt nur noch einen Tag zu leben’, und als die Nacht kam, fand man sie tot auf. Die Verantwortung für solche Sendungen ist groß. Zu jeder Stunde senden wir Pfeile in alle Richtungen. Seid vorsichtig im Aussprechen von Wünschen!