Gemeinschaft, § 142

1926 – XI – 7

Es ist richtig beobachtet worden, dass für Schutz und Erhaltung der Jungen von Tieren gesorgt werden muss. Mutterschaft bedeutet für sie das gleiche wie für die Menschheit. Wenn Tiere geschont werden, werden sie es uns mit Milch, Wolle und Arbeit vergelten. Das Problem der in der Nähe des Menschen lebenden Tiere ist sehr wichtig. Man kann sich vorstellen, wie sich die Atmosphäre verändert, wenn Freunde in der Nähe der Wohnstätte hausen. Fragt den Araber nach dem Pferd oder einen Nordländer nach dem Rentier – sie werden nicht wie von Tieren sprechen, sondern wie von ihrer Familie. Von Tieren kann man zu Pflanzen übergehen. Ihr wisst bereits, dass es wohltuend ist, auf Zedernwurzeln zu schlafen. Ihr wisst, welche Elektrizitätsspeicher Kiefernnadeln sind. Die Pflanzen wirken nicht nur durch ihr Extrakt heilsam, sondern auch ihre Emanation übt eine starke Wirkung auf die Umgebung aus. Man kann beobachten, dass ein bewusst zusammengestelltes Blumenbeet auf den Menschen gut einwirkt. Sinnlos sind aufeinander nicht abgestimmte Blumenbeete, deren Wirkung wechselseitig aufgehoben wird. Passend zusammengestellte oder gleichartige Blumen können dem Verlangen unseres Organismus entsprechen. Auf Feldern gibt es viele gute Zusammenstellungen mit wilden Pflanzen! Die Zusammenstellung von Pflanzen, wie man sie in der Natur wahrnehmen kann, muss wie die der Instrumente eines Orchesters studiert werden. Jene Wissenschaftler haben Recht, die Pflanzen als feinfühlige Organismen betrachten. Der nächste Schritt wird sein, die Einwirkung der Pflanzengruppen aufeinander sowie auf den Menschen zu studieren. Die Feinfühligkeit der Pflanzen und ihre entsprechende Wirkung auf die Umgebung sind wahrlich erstaunlich. Es ist, als ob Pflanzen eine bindende Substanz des Planeten wären und auf einem Netz unmerkliche Wechselwirkungen ausübten. Freilich hat man den Wert der Pflanzen schon lange erkannt, doch die Gruppenwechselwirkungen wurden noch nicht erforscht. Bis vor kurzem haben die Menschen die Lebensfähigkeit der pflanzlichen Organismen nicht verstanden und sinnlos Haufen von ungleichartigen Pflanzen abgeschnitten, ohne zu bedenken, was sie taten. Ein Mensch mit einem Blumenstrauß gleicht einem Kind, das mit Feuer spielt. Die Vertilger der Pflanzenwelt auf der Planetenkruste gleichen Staatsverbrechern. Denkt daran, Wir lieben keine Schnittblumen.

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