Gemeinschaft, § 141

1926 – XI – 5

Wir befürworten eine Verkürzung der Sprache. Verbindungen neuer bestimmter Ausdrücke sind erwünscht. Solch eine neue Sprache befreit von Unbeweglichkeit der Rede. Es hat keinen Zweck, tote Wörter zu verehren. Es ist viel erfreulicher, zu sehen, wie der Sinn einer Toneinwirkung durchdringt und überzeugt. Jeder versteht, dass nicht Wörter überzeugen, sondern die Sendungen des Gehirnzentrums. Süße Reden können wegen ihres Eindruckes auf den Hörer ihr Ziel erreichen. Eher kann man durch eine stumme Geste erobern, als durch kalte Rhetorik. Wenn die Leute sagen, dass dies die Sprache ihres Vaters sei, so fragt sie, ob sie die abgenutzten Stiefel ihres Vaters noch tragen? Jede Wissenschaft bedarf neuer Formeln. Ebenso bringen die bestimmten Lebensperioden neue Ausdrücke mit sich. Über jeden neuen Ausdruck muss man sich freuen. Es gibt nichts Schlimmeres, als einen Leichnam zu umarmen! Ihr seid ohnedies an eine Menge toter Gegenstände gebunden. Das Begraben jedes toten Buchstaben ist von Wehklagen begleitet, als ob es keine fortschrittlichen Taten von ungeheurer Bedeutung gäbe! Bestimmte Völker sind Analphabeten und mit Gestank und widerlichem Ungeziefer bedeckt. Welches der überlebten Vorurteile ist zu beweinen? Der ganze Koffer Ungeziefer muss verbrannt werden, und das wird keine Zerstörung sein, sondern eine Erneuerung! Trachtet nach Erneuerung im ganzen Leben!

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