Gemeinschaft, § 134

1926 – X – 20

Annahme von Aufträgen der Gemeinschaft zeigt sich durch bestimmte Merkmale. Lenken wir unsere Aufmerksamkeit auf Aufrichtigkeit und Bedauern. Aufrichtigkeit ist nichts anderes als schnellste Errungenschaft. Vergeblich beladen sentimentale Leute Aufrichtigkeit mit romantischen Fetzen. Aufrichtigkeit ist ein realer Begriff und unüberwindlich scharf. Dass Aufrichtigkeit einem richtig geführten Degenstoß gleicht und keine verschwommene Güte ist, kann durch Beispiele gezeigt werden. Jeder Zweifel vermindert die Macht des Stoßes. Darum ist Aufrichtigkeit für Uns die schnellste Errungenschaft. Eine ganz andere Sache ist Bedauern. Bedauern ist ein Pfuhl, in dem der treue Fuß ausgleiten kann. Der Bedauernde sinkt auf die Stufe des Bedauerten. Seine Kraft wird im Zwielicht des Bedauerten aufgelöst – ein höchst jämmerliches Ergebnis. Bedauern darf nicht mit Mitgefühl verwechselt werden. Im Mitgefühl wird nichts aufgelöst, sondern es entstehen Kristalle der Tätigkeit. Mitgefühl weint nicht, sondern hilft. Betrachten wir nun Anklage und Manifestation. Anklage ist für den Angeklagten nützlich. Die Anklage ist entweder gerechtfertigt, dann ist die fremde Formulierung lehrreich, weil sie sich immer vom eigenen Verständnis unterscheidet, oder, wie es öfter vorkommt, die Anklage ist nicht berechtigt, dann könnt ihr ruhig beobachten, wie sich eure Tat in der Bosheit der Unwissenheit gebrochen hat. Manifestation darf nicht im Sinn von Aufdringlichkeit verstanden werden, sondern bezieht sich auf die Fähigkeit, unsichtbar zu sein. Der Traum der Völker von einer Tarnkappe kann im Leben ohne Zauberei verwirklicht werden. Man kann die Aufmerksamkeit von sich ablenken, doch dies ist viel schwerer, als sie auf sich zu ziehen. So muss man wissen, wie der Impuls der Beobachter aufzufassen ist. Bei Ausführung von Aufträgen ist die Fähigkeit, unsichtbar zu sein, wichtig. Betrachten wir Verbindung und Streben. Bei der Verbindung ist es notwendig, das Erkennen des eigenen Bedürfnisses zu bewahren. Erbittet keine Ratschläge, sondern lasst sie euch geben. Möge euer Streben sich in keine Verfolgung verwandeln, sonst werden Müßiggänger und Wächter hinter euch her sein. Daher wisset um die Last der Aufträge. Über Angst und Verrat habe Ich vor langem gesprochen.

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