Gemeinschaft, § 133

1926 – X – 19

Die Gemeinschaft – als Kameradschaft – stellt als Bedingung für den Eintritt vor allem zwei bewusste Entscheidungen: endlose Arbeit und das Annehmen von Aufgaben ohne Weigerung. Der Willensschwäche kann man durch eine zweifache Organisation begegnen. Durch endlose Arbeit kann eine Erweiterung des Bewusstseins erlangt werden. Doch viele – nicht schlechte – Menschen denken nicht an die Folgen und lassen sich durch unaufhörliche Arbeit und ungeheure Aufgaben einschüchtern. Dabei haben sie den Gemeinschaftsgedanken grundsätzlich erfasst. Es wäre schädlich, diese noch schwachen Menschen in die Gemeinschaft einzuschließen, doch um ihr Streben nicht auszulöschen, kann man sie nicht abweisen. Daher ist es nützlich, eine zweite Organisation zu haben – Freunde der Gemeinschaft. Dort können diese neu Hinzukommenden, ohne die gewohnte Lebensweise aufzugeben, sich der Gemeinschaft tiefer bewusstwerden. Solch eine zweifache Organisation ermöglicht eine weit konzentriertere Aufrichtigkeit in der Arbeit. Wird jedoch eine formelle Aufnahme in die Gemeinschaft zugelassen, so wird man periodisch die Untauglichen ausschließen müssen. Anders gesagt, die Gemeinschaft wird dann überhaupt aufhören, zu bestehen. Sie wird einfach eine Institution unter falschem Aushängeschild sein, neben der das Synedrion der Pharisäer eine hochmoralische Einrichtung gewesen wäre. Freunde der Gemeinschaft unterhalten, ohne Gefahr des Verrats der Grundlagen der Lehre, ein Reservoir. Die Freunde der Gemeinschaft verbergen ihre Schwächen nicht, und dies gibt die Möglichkeit, sie erfolgreich zu festigen. Freilich, Wir verwenden das Wort ‘Freunde‘, weil diese Bezeichnung für den Westen verständlicher ist. Unter Uns nennen Wir sie Schüler eines bestimmten Grades, doch der Westen erfasst Unseren Begriff ‘Jüngerschaft‘ nur schwer. Darum wollen Wir bei der mehr bekannten Bezeichnung ‘Freunde der Gemeinschaft‘ bleiben. Es ist unklug vom Westen, Unsere durch lange Erfahrungen gefestigten, einfachen Vorschläge nicht anzunehmen. Unsere Gemeinschaften sind alt! Haben nicht die besten Menschen die Gemeinschaft verstanden, ohne eine andere Form vorzuschlagen? Von der Gemeinschaft zu den fernen Welten!

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