Erleuchtung, § 351

1925 – VI – 14

Wenn selbst Tiere arbeiten müssen, umso notwendiger ist daher eine bewusste menschliche Arbeit! Wir wollen über die Verschiedenheit der Arbeit nicht urteilen. Der einzige Unterschied besteht im Bewusstsein oder in der Sinnlosigkeit. Es ist außerdem notwendig, die jeweilige geistige Reife zu beachten. Man kann einen Unterschied zwischen einem jungen strebenden Geist und einem alten Geist wahrnehmen. Ein junger Geist besitzt zwar die tiefen Erkenntnisse noch nicht, die beim älteren durch Erfahrungen in vielen Leben zusammengetragen wurden, doch ist er oft weniger selbstsüchtig und unterwirft sich leichter der Evolution. Ein alter Geist gleicht oft einem Wasserwirbel, wenn er während der Umwandlung seines persönlichen Ichs von sich zu sehr eingenommen ist. Wenn sich solch ein Geschwür gebildet hat, kann die Heilung davon lediglich durch eine Heldentat erfolgen. Eine schöne und leuchtende Heldentat fördert die Erneuerung des feinstofflichen Körpers. Solange solch ein alter Geist zur Heldentat strebt, bedeutet dies, dass er seine Lebensfähigkeit bewahrte. Wie es ein Absterben des Körpers gibt, so muss es auch ein Absterben des Geistes geben. Ein totes Glied kann rechtzeitig entfernt werden, doch die Gangräne (Gewebebrand) des Geistes kann nur durch einen Schock entfernt werden. Der Funke des Impulses gebiert die Heldentat. Allerdings wird jene Heldentat bevorzugt, die bewusst ausgeführt wird, und wenn das ganze Wesen weiß, dass der Lehrer des Lichts lebt. Wir kannten ein kleines Mädchen, in dem dieses Wissen aufflammte und wo auch Krankheit dieses Wissen des Geistes nicht vernichten konnte. Seine Gestalt änderte sich, doch das Wesen blieb unerschütterlich. So setzt sich die Wesenheit bis in die Unendlichkeit fort.

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