Bruderschaft II, § 847

Urusvati weiß, welches das Wesen der Nachsicht ist. Möge jede eurer Bekundungen von Nachsicht zugleich euer Aufstieg sein. Nur ein Dummkopf verprügelt einen entkräfteten Esel, wodurch er nur Schaden erzeugt. Ein kluger Hausherr jedoch gewährt dem Esel Erholung, füttert ihn gut und erfährt dadurch Nutzen. Ebenso ist es mit Unwissenden. Auf keinen Fall darf man zornig über Unwissende herfallen, da eine Beschimpfung keinen Nutzen erbringt. Nützlich wird es jedoch sein, Nachsicht zu üben und überzeugende Worte zu finden. Es ist nicht leicht, die Ebene der Unwissenheit aufzusuchen, doch ein Denker versteht, dass man durch eine niedrige Tür gebeugt hindurchgehen muss. Es ist viel über Mitgefühl gesprochen worden, doch beinhaltet jedes Mitgefühl bereits Nachsicht. Wahrlich, ruhmreicher Aufstieg wird durch feinfühlige Nachsicht geschaffen. In der Überirdischen Welt führt die Befähigung zur Barmherzigkeit zu einem raschen Aufstieg. Der Wanderer lernt, den schmerzlichen Stimmen Gehör zu schenken und über Heilungsmöglichkeiten nachzudenken, und solche Gedanken führen wie Flügel empor. Der Mensch muss beständig darauf achten, wo Nachsicht zu üben ist. In den Schulen muss darüber gesprochen werden, wie nützlich Nachsichtigkeit ist. Es muss aufgezeigt werden, dass Verurteilung ein tötendes Prinzip ist. Man kann sie leicht vermeiden, wenn man daran denkt, dass Zerstörung kein Aufbau ist. Überlassen wir Zerstörung der Weisheit des Kosmos, wir aber wollen aufbauen. Der Denker sprach: ‘Lehrer, zeige mir, wie man in Nachsicht aufsteigt.’

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