Bruderschaft II, § 841

Urusvati weiß von dem Geschenk der Erkenntnis. Man wird fragen: ‘Ist die Erkenntnis etwa ein Geschenk? Ist sie etwa keine Errungenschaft unseres freien Willens?’ – Für einen engen Materialismus ist sie das auch. Ein verfeinertes, hochstehendes Denken jedoch versteht, dass Erkenntnis der Überirdischen Zusammenarbeit bedarf. Jeder Denker kann feststellen, dass über die Aneignung von Fakten hinaus eine Emporhebung des Wissens beginnt, und dieser Vorgang ist bereits ein sehr hohes Geschenk. Der Mensch vermag die Wahrnehmungsfähigkeit nicht allein mittels seines irdischen Verstandes zu verfeinern. Der wahre Gelehrte erkennt an, dass seine Erkenntnis gleichsam höhere Fäden hat, und auf diese Weise ergibt sich eine unerwartete Erweiterung des Angeeigneten. Eine solche Erscheinung kann unbewusst verlaufen, wenn die Höheren Führer es als unerlässlich erachten, auf das Gemeinwohl Einfluss zu nehmen. Die Folgen könnten jedoch weitaus bedeutender ausfallen, wenn der Gelehrte eine Höhere Führung bewusst unterstellen würde. Dann nämlich könnte die Überirdische Welt sich in ihrer ganzen Erhabenheit offenbaren. Das menschliche Herz besitzt die Fähigkeit, die Erweiterung wahrzunehmen, gleichsam als Aufnahme von etwas Hochstehendem. Solche Minuten können eine Erleuchtung darstellen, doch muss der Mensch fähig sein, einen solchen Segensstrom in sich aufzunehmen. Es sind keine Zwangsmaßnahmen erforderlich, man muss nur das Herz öffnen und den Hohen Lehrer herbeirufen. Der Denker sprach: ‘Lehrer, erleuchte meine Erkenntnis!’

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