Bruderschaft II, § 836

Urusvati weiß von der Begabung zum Scharfsinn. Nicht selten verwechseln die Menschen diese Begabung mit der Zweckentsprechung. Sie werden fragen: ‘Welcher Unterschied besteht denn zwischen diesen einander doch nahestehenden Begriffen?’ Zweckentsprechung kann unter irdischen Bedingungen entfaltet werden, Scharfsinn hingegen entwickelt sich in vielen Leben und wird in der Überirdischen Welt vertieft. Sie ist in verschiedenen Fällen hilfreich. Der Mensch kann Erscheinungen von ihrer äußeren Seite richtig erkennen. Er spürt, wo ein falscher Weg verläuft. Er kann zwar nicht sagen, weshalb der Weg unrichtig sei, doch das Herz weiß, dass etwas vermieden werden sollte. Gewöhnlich nennen die Menschen solchen Scharfsinn vielfach Einfühlungsvermögen oder Spürsinn, womit sie Recht haben, doch sollten sie die Gegebenheit eines solchen Einfühlungsvermögens im Bewusstsein auch für möglich erachten. Man darf über eine solche Veranlagung nicht spotten. Der Mensch kann ein Analphabet sein und dennoch die Begabung des Scharfsinns in sich tragen. Gewöhnlich hält man Scharfsinn für etwas, das in die Zukunft strebt, doch arbeitet er im ganzen Leben. Er ist eine Hilfe für die heutige Zeit, und so lasst uns die Aufspeicherungen schätzen, die in vielen irdischen Leben und bei der Arbeit in der Überirdischen Welt gesammelt wurden. Vergessen wir nicht, dass wir auch dort arbeiten müssen. Gedankenschaffen ist keineswegs so leicht, wie die Unwissenden meinen. Der Denker gebot: ‘Bekundet Scharfsinn im gesamten Leben.’

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