Bruderschaft II, § 824

Urusvati weiß von der Macht der Stille. Es ist gesagt worden: ‘Stille ist stärker als Donner. Stille ist lauter als Posaunenschall. Stille ist eine Brücke zum Überirdischen.’ Von welcher Stille aber ist die Rede? Für Anfänger ist äußere Stille erforderlich; jeder Laut, selbst der geringste, vermag sie zu erschüttern und ihnen Schmerz zu verursachen. Dem Wissenden jedoch ist innere Stille notwendig; sein Ohr ist der Überirdischen Welt geöffnet, und er befindet sich in unhörbarer Stille. Doch eine solche Errungenschaft kann sich nicht unverzüglich einstellen. Das geistige Ohr muss sich unabhängig von irdischen Bedingungen öffnen. Wer durch die damit verbundenen Prüfungen hindurchgegangen ist, verfügt über eine Leitung zum Überirdischen, die er jederzeit nutzen kann. Nichts vermag ihn dabei zu stören, wenn er mit dem Höheren Rhythmus Verbindung aufnimmt. Unwissende verstehen nicht, wo die Grenze zwischen äußerer und innerer Stille liegt. Auch die hohe Eigenschaft der Ruhe legen sie falsch aus. Für sie grenzt die Ruhe an Teilnahmslosigkeit und Sorglosigkeit. Wahre Ruhe wird jedoch aus den Tiefen innerer Stille geschöpft. Sie lebt in dem auf Wissen gegründeten Vertrauen. Nichts kann diese Festung innerer Stille zerstören und nichts die Ruhe erschüttern. Auf solche Weise lassen sich Zweifel immer vermeiden, denn diese sich windende Giftnatter tötet die erhabene Ruhe. Nichts kann den Wanderer für die Überirdische Welt besser ausrüsten, als Ruhe. Allein in solcher Ruhe wird der Wanderer bei allen überirdischen Begegnungen Wohlwollen finden. Der Denker sprach: ‘Sende mir die Flügel der Stille.’

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