Bruderschaft II, § 813

Urusvati weiß von der Schönheit der Überirdischen Welt. Man wird sagen: ‘Wie aber, wenn einige Schichten der Überirdischen Welt durch die Unwissenheit ihrer Bewohner bis zur Hässlichkeit entstellt sind? Kein Neuankömmling wird solche verfinsterten Schichten durchdringen und über sie hinausgelangen können!’ Antwortet: ‘Jeder, der von Vergehen gegen die Ethik unbelastet ist, ist in der Lage, durch die verfinsterten Schichten hindurchzufliegen und die Sphäre der Harmonie zu erreichen.’ Die Menschen tragen mächtige Flügel in sich, Wille genannt, doch darf man nicht davon ausgehen, dass er sich von allein bilden könne – er muss erzogen werden, wie man eine kostbare Blume aufzieht. Und der Mensch weiß nicht, wann der ‘feurige Lotos’ erblühen wird. Es kann sein, dass selbst der gewöhnlichste Alltagszustand kein Hindernis für sein wunderbares Erblühen ist; so kann sich der Mensch auf den wichtigsten Flug vorbereiten. Er kann die verfinsterten Schichten durchfliegen, fast ohne die Hässlichkeiten der Unwissenheit wahrzunehmen. Der Mensch kann dorthin emporsteigen, wohin ihn sein führender Magnet zieht. In den Einweihungsprozessen des Altertums musste der Schüler einen Raum durchschreiten, der mit den entsetzlichsten Darstellungen angefüllt war. Der Schüler musste mit geöffneten Augen hindurchgehen, doch hing es von ihm selbst ab, die entsetzlichen Bilder in der Umgebung nicht wahrzunehmen. Eine solche Prüfung des Willens ging dem Eintritt in das Prunkgemach der Schönheit voraus. Eine ähnliche Prüfung erfolgt beim Eintritt in die Überirdische Welt. Möge der Wanderer seinen Willen sammeln und sein Denken für die letzte Vollendung anspannen. Der Denker sprach: ‘Lernt, über alle Hindernisse hinwegzufliegen.’

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