Bruderschaft II, § 805

Urusvati weiß, was augenblickliche Erleuchtung ist. Sie wandelt sich zu höherer Inspiration und höherem Verstehen. Man muss daran denken, dass solch ein psychischer Zustand überaus selten ist, da viele irdische und überirdische Bedingungen dafür zusammentreffen müssen. Man kann von solcher Erleuchtung träumen, nicht jedoch sie erzwingen. Wenn die überirdischen Bedingungen mit den entsprechenden irdischen Stimmungen zusammenfallen, kann der wunderbare Lotos der Erleuchtung unerwartet erblühen. Der Mensch kann diesen Augenblick nicht kennen, doch oftmals flammt die Erleuchtung nicht nur unerwartet auf, sondern auch zu unpassender Zeit, wenigstens nach irdischer Auffassung. Mag die Erleuchtung auch ein seltener Gast sein, so ist es doch nicht verboten, ihren Besuch zu erwarten. Man kann mit kurzen psychischen Vertiefungen beginnen. Man darf nicht denken, solche Konzentrationen seien nicht nützlich; gerade auf diesem unermüdlich beschrittenen Wege lassen sich viele Erkenntnisse gewinnen. Törichte Menschen klagen nicht selten darüber, dass ihre Arbeiten nutzlos vergingen, doch wo sind die Gewichte, mit denen man die psychischen Aufspeicherungen wägen könnte? Es ist leichter, mit bloßem Auge das Gras wachsen zu sehen als den Prozess psychischer Aufspeicherungen zu beobachten. Man muss die Anfänger daran erinnern, dass jede ihrer Bemühungen um Konzentration nicht ohne Nutzen bleiben wird. So kann man sich auf die Überirdische Welt vorbereiten, wo Erleuchtungen oft vorkommen, wenn der Mensch sich bereits daran gewöhnt hat, an sie zu denken. So ist jeder fähig, unter beliebigen Umständen die Meilensteine der Zukunft durch Arbeit zu sammeln. Der Denker sprach: ‘Wozu mit Gewalt die Blütenblätter des Lotos herausreißen? Möge der Lotos in Fülle zur vorbestimmten Stunde erblühen!’

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