Bruderschaft II, § 804

Urusvati weiß, dass der Gedanke in der Überirdischen Welt bereits dem Wort gleicht. Der Gedanke ist Mittel zur Verständigung, zum Schaffen und zur Fortbewegung. Die Menschen meinen, dass man an eine Überirdische Welt überhaupt nicht denken dürfe. Das irdische Leben bleibe die einzige Aufgabe der Existenz. So verfällt der Mensch verhängnisvollem Irrtum. Man kann unmöglich nur an das irdische Leben denken, ebensowenig jedoch ausschließlich zur Überirdischen Welt streben. Zweckmäßigkeit muss in allem beachtet werden, nur so lernt es der Mensch, im irdischen Leben zu schaffen und Zeit für Bestrebungen zur Überirdischen Welt zu finden. Wir leben für die Zukunft, doch liegt diese nur in der Überirdischen Welt. Die irdischen Leben stellen im Vergleich mit den überirdischen Existenzen den geringsten Teil dar. Stellt euch einen Menschen vor, der in die Überirdische Welt eintritt und nur die Verständigung über das gesprochene Wort kennt; er wird sich in einer bedauernswerten Lage befinden. Die Gedankenübertragung wird er sich nicht so bald aneignen. Zuerst wird er, wie ein Stummer, für sich stillschweigend Worte wiederholen, doch wenn sie nicht von feinfühligen Gedanken begleitet sind, werden sie keine Verständigung bringen. Nur schrittweise wird der Wanderer verstehen, den Gedanken ohne Worte zu äußern, und so wird er auch lernen, die Gedankensendungen der neuen Gefährten aufzunehmen. Der Lehrer wird sich ihm ebenfalls auf gedanklichem Wege nähern. Doch weshalb erst in der Feinstofflichen Welt damit beginnen, die Kunst des Denkens zu erlernen, wenn man sich schon im irdischen Leben darauf vorbereiten kann? Jedem ist es möglich, unter beliebigen Bedingungen Versuche in sich selbst mit gedanklichen Gesprächen durchzuführen, und vielleicht wird er auch schon eine Antwort erhalten. Der Denker sprach: ‘Denkt daran, das Wort entspricht dem Gedanken.’

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