Bruderschaft II, § 781

Urusvati weiß, wie scharf man einen guten Einfluss der Überirdischen Welt von schädlicher Besitzergreifung unterscheiden muss. Ein guter Einfluss knechtet den freien Willen nicht, sondern verstärkt sogar die individuell vorhandenen Möglichkeiten. Die überirdische Einflussnahme wird immer fürsorglich und behutsam gegenüber dem physischen Zustand des Organismus sein, doch endet Besitzergreifung immer mit einem für den physischen wie für den feinstofflichen Körper schädlichen und zerstörenden Zustand. Man nimmt allgemein an, Besitzergreifung überwältige besonders schwache Organismen, doch liegt der Hauptgrund dafür in der charakterlichen Labilität der Besessenen. Es lässt sich zweifelsfrei bestätigen, dass jede Besitzergreifung in erster Linie über den Kanal der Charakterschwäche erfolgt. Mag die Charakterschwäche offen, verborgen oder keimhaft vorhanden sein, ist sie doch die Ursache dafür, dass Besessenheit überhaupt stattfinden kann. Man nimmt gleichfalls an, dass die Heilung von Besessenheit über die Wirkung einer starken Suggestion erfolgen könne, jedoch ist eine Verbesserung des Charakters erforderlich. Suggestion kann einen Besitzergreifer auf Zeit vertreiben, doch wird das charakterliche Verhalten gestärkt, wird dem Besitzergreifer auch der Zugang versperrt sein. Ein auf die Lebensgesetze begründetes Handlungsbewusstsein ist die sichere Grundlage für erfolgreiche Vervollkommnung. So kehren wir, worüber auch immer wir sprechen, zur Biologie, der Wissenschaft vom Leben, zurück. Die Erkenntnisse der Wissenschaften können das ethische Niveau der Menschheit heben, wobei man das Bewusstsein jedoch nicht durch Vorurteile anketten darf. Die Wissenschaft muss hingegen in der Erforschung der Gesetze der Natur frei sein. Mögen sich die Gelehrten als wahre Aufklärer erweisen. Der Denker sprach: ‘Ein Gelehrter ist Licht.’

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