Bruderschaft II, § 779

Urusvati weiß, dass es eine schwierige Kunst ist, das Gespräch dem Bewusstsein entsprechend zu führen. Weder Wissen noch Gefühlswissen, sondern das Gefühl von Herzlichkeit hilft zu verstehen, von welcher Art das Bewusstsein des Gesprächspartners ist. Apollonius von Tyana hat man den Vorwurf gemacht, er führe seine Unterweisungen in widersprüchlicher Weise, was nicht richtig ist. Der Lehrer widersprach niemals den Grundlagen, stimmte jedoch den Inhalt seiner Unterweisungen zum bestmöglichen Verständnis auf das Bewusstsein des Gesprächspartners ab. Der Lehrer bevorzugte Gespräche unter vier Augen, um die besten Worte zu finden. Er sagte, dass eine für eine Vielzahl von Zuhörern gehaltene Rede nicht überzeugend sei, da die einander widersprechenden Bewusstseine sich gegenseitig behindern würden. Eine solche Vorgehensweise übten auch andere Philosophen Griechenlands. Platon rief bevorzugt nur einen einzigen Schüler zu einem Spaziergang, und die dabei geführten Gespräche waren besonders bedeutsam. Er teilte Wissen über die Überirdische Welt in besonders behutsamer Weise mit. Er wusste, dass eine dem Bewusstsein nicht entsprechende Mitteilung Schaden bringen könnte, wobei solch ein Schaden darüber hinaus möglicherweise nicht wiedergutzumachen wäre. Er studierte das Bewusstsein der Schüler an den unerwartetsten Gegenständen. Jeder hat ein individuelles Bewusstsein, und allein ein liebendes Herz kann erfühlen, was in die Tiefen des Bewusstseins einging und übernommen wurde. Besonders jetzt muss man das Überirdische vorsichtig berühren. Das Bewusstsein der Menschen befindet sich in derartiger Verwirrung, dass lästerliche Ausdeutungen entstehen könnten. ‘Ein Bildhauer konzentriert seine ganze Aufmerksamkeit auf ein kostbares Stück Stein. So hütet auch der Bildhauer des Bewusstseins den kostbaren Aufstieg des Gesprächspartners’ – so sprach der Denker.

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