Bruderschaft II, § 740

Urusvati weiß, dass jede atmosphärische Erscheinung auf den Menschen einwirkt. Man sollte meinen, eine solche Bedingung würde weiten wissenschaftlichen Errungenschaften den Weg öffnen, doch das Schlimme ist, dass die heutige Wissenschaft vor allem danach strebt, die Erscheinungen zu klassifizieren, und dabei vergisst, dass die Wirkungen auf den Menschen individueller Art sein werden. Daher sind die Gelehrten nicht imstande, ihre begrenzten Beobachtungen in ein System zu fassen. Die Gelehrten sollten bedingten Begrenzungen entsagen, dann werden sie neue, unüberschaubare Wege betreten. Dazu muss man erkennen, dass jeder Mensch ein Mikrokosmos im vollen Sinne dieses Wortes ist. Es ist auch nicht schwer zu begreifen, dass jeder Mikrokosmos individuell und unwiederholbar ist. Der Chemismus jedes Mikrokosmos wird ein besonderer sein, ebenso wie jedes kleinste Teilchen des Makrokosmos individuell sein wird. Eine solche Bedingung widerspricht der Existenz von Weltgesetzen nicht. Sie erfassen alle möglichen Bedingungen und finden in der unwiederholbaren Individualität alles Existierenden nur den Schmelztiegel neuer Verbindungen von Energien. Die Energien können sich nicht ohne individuelle Zusammenstöße erneuern. Auf solche Weise kann man erfühlen, dass die vor langem aufgezeigte Einheit ein Konglomerat aus einer Vielzahl Individualitäten ist. Weise Regenten verstanden seit langem, dass die Individualität der Persönlichkeit sorgsam gewahrt werden müsse. Ein erfahrener Schullehrer fühlt, wie man die Individualität der Schüler wahren muss. Nur Unwissenheit kann zu der Annahme führen, man könne alles über einen Kamm scheren. Solche Unwissenden handeln den kosmischen Gesetzen zuwider. Sie dürfen sich nicht Gelehrte nennen, da jeder wahre Forscher über die Fähigkeit verfügen muss, in großem Maßstab Möglichkeiten zuzulassen. Wir müssen immer wieder über solche elementaren Grundlagen sprechen, da der größte Teil der Menschheit von toten Termini betört ist und die Augen vor den einfachsten Erscheinungen der Natur nicht öffnen will. Man sollte meinen, die Individualität alles Existierenden sollte die Menschen erfreuen, denn gerade diese Bedingung gibt jedem Menschen einen besonderen Platz im Weltall. Gerade dieser Vorzug kann neue Errungenschaften eröffnen. Ein solch unermesslicher Reichtum wird die künftige Wissenschaft zu Entdeckungen führen, die jetzt noch als märchenhaft erscheinen. Die Menschen sprechen oft über die Ähnlichkeit von Charakteren, die für Zusammenarbeit unerlässlich sei. Doch darf man nicht von Ähnlichkeit sprechen, sondern von Harmonie. Allein die Harmonie von Energien kann nützlich sein, doch ist Harmonie keine Wiederholung. Sie schafft einen Akkord; möge er kraftvoll und klangvoll sein. Eine Symphonie aus eintönigen Oktaven ist nicht vorstellbar. Mögen die Menschen die Polyphonie lieben lernen. Je reicher sie ist, desto mehr wird sie die menschlichen Herzen anziehen und zur Tat aufrufen. So lasst uns für die Mannigfaltigkeit der Wahrnehmungen offen sein. Möge die Natur nicht arm genannt werden. Der Denker sprach: ‘Die Natur ist unerschöpflich.’

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