Bruderschaft II, § 738

Urusvati weiß, welchen Wert das Gleichgewicht hat. Es ist bekannt, dass der Mensch mit aller Kraft zur Überirdischen Welt streben soll. Er sollte diese Erkenntnis so sehr in sich aufnehmen, dass er sich in jeder Stunde als Teilnehmer an der Überirdischen Welt empfindet. Gleichzeitig soll er jedoch auch das irdische Leben schätzen, sich an der Qualität der Arbeit erfreuen und das irdische Leben weiterführen, da er in ihm neue Möglichkeiten der Vervollkommnung findet. Man wird fragen: ‘Aber wie kann man denn solche Gegensätze miteinander vereinen?’ Wahrlich, dies ist möglich, denn der Mensch ist in der Lage, sein Bewusstsein zu vervollkommnen. Aus verschiedenen Jahrhunderten lassen sich Beispiele dafür anführen. Hierbei muss eine besonders bedeutsame Erscheinung angemerkt werden: Menschen, die solche Gegensätze in sich zu vereinigen vermochten, gehörten nicht dem sogenannten geistlichen Stand an. Niemand ahnte, dass solche Arbeiter ein inniges Bewusstsein der Überirdischen Welt in sich trugen. Sie arbeiteten gewissenhaft. Sie liebten die Arbeit in ihrer höheren Qualität, doch ihre hingebungsvolle, innige Erkenntnis der Überirdischen Welt hüteten sie als einen geheimen Schatz. Es wird verständlich, dass solche Tatmenschen zur Vervollkommnung der Erde besonderen Nutzen beitrugen. Sie verheimlichten die Existenz der Überirdischen Welt nicht ganz, fühlten jedoch auch, wo eine Aussage darüber auch nur angenommen werden konnte. Sie verstärkten ihren Magnetismus und zogen auf solche natürliche Weise die Herzen ihrer Schüler an. Unerfahrene sind nicht allein über erkennbare Gegensätze erstaunt. Man könnte eine Vielzahl von Gegenüberstellungen herbeiführen, die ihnen befremdlich erscheinen würden. So soll der Mensch nicht in Leidenschaft verfallen, jedoch auch nicht leidenschaftslos sein. In allem muss man das Goldene Gleichgewicht erkennen, von dem im fernen Altertum gesprochen wurde. Der Denker sprach: ‘Der Mensch hat zwei Hände, eine für die Arbeit und eine, die dem Herzen nahe ist. Wenn eine Hand kürzer als die andere ist, nennen die Menschen das Missbildung. So ist es in himmlischen wie in irdischen Dingen.’

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