Bruderschaft II, § 730

Urusvati weiß, dass Aufmerksamkeit eine der ersten Bedingungen erfolgreicher psychischer Beobachtungen ist. Die Menschen sprechen gern von Bestrebung, Scharfsicht, angespannter Beobachtung, ohne sich jedoch die einfachste Beobachtungsfähigkeit wirklich angeeignet zu haben. Für sie nimmt die Formel ‘in der Gefahr leben’ eine absurde Bedeutung an. Gewiss, ein erweitertes Bewusstsein führt auch zu natürlicher Aufmerksamkeit, doch gibt es nicht viele solche Bewusstseine. Glücklicherweise kann jeder zur Aufmerksamkeit erzogen werden, doch muss dies sowohl in der Familie als auch in der Schule geschehen. Man muss die Aufmerksamkeit der Kinder nicht nur auf bestimmte besondere Erscheinungen richten, sondern auch auf kleinste Züge des Alltagslebens. Die psychische Welt offenbart sich vor allem im Alltagsleben. Die wertvollsten Eigenschaften eines Geistes lassen sich sogar im grauen Alltag beobachten. Lasst uns als Helden nicht allein diejenigen ansehen, die in äußerlich sichtbar großen Taten zum Gemeinwohl streben, sondern erkennen wir aufmerksam auch die Arbeiter inmitten des Alltagslebens. Eine solche Aufmerksamkeit erbringt viele Beobachtungen, unter denen sich natürliche psychische Energie offenbart. Wenn wir von der Feinstofflichen Welt sprechen, müssen wir auch die feinsten Energien als gegeben unterstellen. Solche Energien müssen mitten im Leben beobachtet werden. Man darf nicht denken, dass sich irgendwo wundersame Kräfte offenbarten; sie sind bereit, sich in jedem Menschen zu offenbaren, nur muss man sie aufmerksam erkennen. Zu dieser Aufmerksamkeit im Alltagsleben raten Wir daher allen, die über die Überirdische Welt nachdenken wollen. Glaubt nicht, solche Übung sei leicht, denn die Menschen ertragen die dafür notwendige Beständigkeit nicht. Sie sind bereit, mitunter in Träumen zu fernen Welten zu fliegen, doch werden sie durch solche Träume nur flüchtig in den Raum getragen. Wir raten daher, die herrliche Gabe der Beobachtung mitten im Alltagsleben zu erlernen. Möge sie sich vom Kindesalter an entwickeln. Der Denker sprach: ‘Achtet auch auf den Boden unter euren Füßen, damit ihr nicht stolpert.’

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