Bruderschaft II, § 728

Urusvati weiß, dass Psychologie zu einer realen Wissenschaft werden sollte. Sie muss sogar noch realer werden, als es die Physiologie ist, doch ist es notwendig, sie von den ersten Schulklassen an zu unterrichten und entsprechend bis zu den höchsten Bildungseinrichtungen weiterzuführen. In sämtlichen Bildungsbereichen sollten die psychologischen Grundlagen miteinbezogen werden. Man kann solch eine Wissenschaft auch anders benennen, doch möge die bereits angenommene Bezeichnung dennoch bleiben. Wir vermeiden jähe Veränderungen, wenn man ein nützliches Ziel mit den gewohnten Ausdrucksformen erreichen kann. Die Psychologie muss die verborgenen Kräfte des Menschen studieren. Sie muss sich nicht nur der Philosophien des Altertums bedienen, sondern auch auf freiem, wissenschaftlichem Weg voranschreiten. Selbst ein vergleichendes Studium der Religionen wird ein Bereich der Psychologie sein, da sie alle die Erkenntnis der Überirdischen Welt zur Grundlage haben. Lasst uns nicht stolz an den Errungenschaften des Altertums vorbeigehen, da sich unter verschiedenen Bezeichnungen ein und dieselben, auf Erfahrung fußenden Schlussfolgerungen verbergen. Man muss gerade freie wissenschaftliche Methoden anwenden, denn das Leben weist in all seinen Erscheinungen auf Wege zur Erkenntnis der Unsichtbaren Welt. Viele Energien fließen entweder in einer zusammen oder aus einer hervor – der psychischen Energie. Lehrreich sind Beobachtungen über die weitverzweigten Kräfte, die sich in jedem Wesen individuell ausprägen. Man muss hochschätzen, dass die Individualität so großzügig angelegt ist; gerade sie wird den Gelehrten helfen, scheinbar Nichtübereinstimmendes einander anzunähern. Der Denker sprach: ‘Man kann aus den unterschiedlichsten Stimmen einen klangvollen Chor gestalten. Die Menschen besitzen den Willen, doch nur wenige vermögen ihn besonnen anzuwenden.’

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