Bruderschaft II, § 714

Urusvati weiß, dass Unduldsamkeit die Schwester der Unwissenheit ist. Weitgefasste Duldsamkeit lässt Möglichkeiten zu, und daraus entsteht kühner Wagemut. Eifrigste Bestrebung erfordert neben Gefühlswissen auch, dass man in vernünftiger Weise Möglichkeiten zulässt. Es ist unmöglich, die überirdische Welt ohne diese Grundlagen zu verstehen. Das Gefühlswissen kann dem Herzen zuflüstern, doch auch das Gehirn muss die Möglichkeit der Überirdischen Welt verstehen. Nicht nur einmal wurde gesagt, dass der Mensch ein Mitarbeiter der Schöpfung sei. Gerade dieses ist er. Jeder Gedanke schafft ein Bild. Dieses Werk wird unzerstörbar sein, und es ist an der Zeit, die Verantwortung für solche Werke zu erkennen. Viele leichtfertige und schädliche Gedankenkonstruktionen überlasten den Raum. Gewöhnlich glauben die Menschen nicht, dass ihre schwachen Gedanken im Raum Spuren hinterlassen könnten. Doch man muss sie daran erinnern, dass selbst ein vorübergehendes Gefühl bereits eine Hieroglyphe zeichnet, die nicht fortzuwischen ist. Nur wer den Sinn des Denkens voll erfasst, kann lichten Wagemut in sich entwickeln. Glaubt nicht, dieses Wort habe etwas mit dreister Verwegenheit gemein. In letzterer ist Grobheit enthalten, doch höherer Wagemut ist immer gütig. Er eröffnet den Weg zu herrlichem Gedankenschaffen. Man muss jeden schönen Gedanken hüten. Möge er sich im Raum weiterentwickeln. Er wird ein wahres Geschenk für den Aufbau des Weltengebäudes sein. Doch mögen die Menschen beginnen, in natürlicher Weise über die Überirdische Welt nachzudenken und ihre Berührungen im Alltagsleben wahrzunehmen. Wir sprechen von einem Alltagsleben als einer ständigen Verbindung mit dem Überirdischen, als einem Leben, wo das Überirdische seine vollgültige Stellung einnimmt. Wer das Verstehen des Überirdischen einbüßt, macht sich selbst zu einer Quelle der Betrübnis. Der Denker sprach: ‘Nicht allein von außen erlangt man Erkenntnis über das Überirdische; es wird in unserem Inneren geboren. Möge das Zeichen kühnen Wagemutes im Herzen brennen.’

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