Bruderschaft II, § 701

Urusvati weiß, wie leichtfertig die Menschen Bereitschaft auslegen. Man könnte meinen, es existiere eine Vielzahl von Helden, bereit zu selbstaufopfernder Heldentat. Tatsächlich jedoch kann die Bereitschaft flammend oder kühl sein. Menschen mit kühler Bereitschaft betrügen nicht nur ihre Umgebung, sondern auch sich selbst. Sie merken es nicht, welche Lüge sie ständig aussprechen und dabei ihre eigene Situation nur verschlimmern. Wahrlich, besser ist der Zustand desjenigen, der offen seine Nichtbereitschaft bekennt, denn er kann sich wenigstens vervollkommnen. Doch der Hinterlistige und der Prahler verschließen sich den Weg des Fortschritts selbst. So müssen Wir an die Eigenschaft der Bereitschaft erinnern, nur sie verleiht den Mut zur Überwindung. Viele sprechen von ihrer Bereitschaft, mit Uns zusammenzuarbeiten, doch bei der kleinsten Schwierigkeit weichen sie ängstlich zurück. Einer der Hauptgründe dafür liegt darin, dass sie den Sinn des Lebens nicht verstehen. Sie denken nicht über die überirdische Unbegrenztheit nach, sondern ketten sich an ein irdisches Trugbild. Wie ein Pferd in einer Umzäunung langsamer läuft, so büßen die im Irdischen Gefangenen die Fähigkeit zu echtem Voranschreiten ein. Wenn Ich von der Bereitschaft spreche, erinnere Ich gleichzeitig auch an das Voranschreiten. Man muss zur Heldentat bereit sein. Man muss es lernen, über Heldentat nachzudenken, bevor sie dann im Irdischen manifestiert wird. Man muss sich bereits gedanklich vervollkommnen und dabei die Heldentat mit einer solchen Unerschütterlichkeit durchdenken, dass ihre Ausführung im Leben bereits unvermeidlich wird. Nur so wird lebendige Zusammenarbeit geschaffen, über die schon so viele Worte gesagt worden sind. Der Denker sprach: ‘Meint ihr nicht, dass kühle Bereitschaft einem Tropfen Nektar gleicht, der in einem ganzen Meer aufgelöst wurde?’

‹ § 700 · Inhaltsverzeichnis · § 702 ›