Urusvati weiß, wie schädlich die willkürliche Begrenzung von Begriffen ist. So sprechen die Menschen von Menschlichkeit und verstehen darunter nur Barmherzigkeit und Mitleid, doch ist Menschlichkeit die Bekundung aller Qualitäten eines würdigen Mikrokosmos. Der Mensch kann nicht ohne eine Vorstellung von der Überirdischen Welt leben, sei sie auch von eigentümlicher Art. Hierzu lässt sich an ein Gleichnis erinnern, das von einem Menschen handelt, der die Überirdische Welt nicht anerkannte. Ein gewisser aufgeblasener Dummkopf behauptete, sein Leben stehe allein zur Erde in Beziehung. Ein Rischi sagte zu ihm: ‘Kannst du behaupten, dass dir außer der Erde nichts Überirdisches notwendig sei?’ Der Dummkopf bestand hartnäckig darauf, so dass der Rischi eine Probe durchführte: ‘Lege dein Gesicht ganz dicht auf die Erde und sage mir dann, wie lange du allein an der Erde Genüge hast.’ Der Dummkopf fuhr wütend auf und fragte: ‘Willst du mich etwa ersticken lassen?’ Doch der Rischi lächelte und sprach: ‘Es ist also offenkundig, dass du ohne das Überirdische nicht einmal kurze Zeit leben kannst.’ So wurde in wenigen Worten die Gegenwart der Überirdischen Welt bestätigt. Überdies erinnern die Erzählungen des Ostens an die Lebensnotwendigkeit des Schlafes. Selbst der machtvollste Regent könne ohne Schlaf nicht auskommen. So muss Menschlichkeit auch in der Lage sein zu erkennen, wenn sich etwas Bedeutsames vollzieht. Gewöhnlich erkennen die Menschen eine wichtige, entscheidende Stunde nicht. Sie trennen willkürlich die Folgen von der Ursache, die sie ganz vergessen. Es ist daher unmöglich, von Fristen zu sprechen, da die Menschen die Entstehung von Ereignissen nicht verstehen. Selbst nachdenkliche Menschen lassen mitunter unnütze Begrenzungen von Begriffen zu. Sie sagen: ‘Meine psychische Energie und besonders meine uranfängliche Energie kann niemand in Besitz nehmen. Sie schwingt und verändert sich ständig im kosmischen Sinne. Wenn sie verausgabt ist, erneuert sie sich nicht von innen wieder, sondern von außen.’ Das Geisteskorn ist mit strahlender psychischer Energie umkleidet. Dieses Gewand kann ärmlich oder herrlich schön sein, doch weniger noch als alles andere ist sie Eigentum des Menschen. Er ist in großzügiger Weise mit ihr begabt, da der Mikrokosmos einen Verdichter psychischer Energie darstellt. Doch ist es unerlaubt, ein Geschenk, das zur Erkenntnis des Überirdischen verliehen wurde, sein Eigentum zu nennen. Ebenso falsch verstehen die Menschen den hohen Begriff der Gerechtigkeit. Meist erkennen sie die Gerechtigkeit als einen bedingten Richterspruch, doch ist der Mensch zu glaubwürdiger Erkenntnis aufgerufen und muss sein Herz zur Wahrheit wenden. Die Überirdische Welt kann das Bewusstsein erweitern. Wie eine Rute unterirdische Gewässer und Mineralien anzeigen kann, so kann das Zepter des Geistes die Wahrheit zeigen. Viele Eigenschaften dürfen nicht in bedingten Begrenzungen verstanden werden, sondern von ihrem inneren Wesen her. Der einfache Ausdruck ‘vom Wesen her’ wird aber selten von den Menschen verstanden. Der Erkenntnisprozess bedarf eines bedeutenden Maßes an Synthese, und dafür wiederum muss man vor allem die Bedeutung der Überirdischen Welt anerkennen. Der Denker lehrte Seine Schüler, die Einwirkungen des Überirdischen auf alle Lebenserscheinungen aufmerksam zu beachten. Gerade das Überirdische sei nicht nur eine Sphäre, sondern auch ein Bewusstseinszustand.