Bruderschaft II, § 698

Urusvati weiß, dass Unser Buch, ebenso wie Meine Fürsorge um euch, unerschöpflich ist. Doch kann jegliche Fürsorge nur dann Früchte tragen, wenn sie auf Zusammenarbeit trifft. Wie wunderbar wächst Zusammenarbeit bei ungeteilter Bestrebung! Wenn die Energien einander begegnen, erzeugen sie fruchtbringende Gedanken. Diese Funken sind wie Meilensteine des Erfolges; jegliche Arbeit gründet auf solche Feuer. Erneut bestätigen Wir die Bedeutung der Arbeit. Besonders traurig ist, wenn Menschen von vergeblich geleisteter Arbeitsmühe sprechen, da keine Arbeit verlorengeht und ohne Ernte bleibt. Bestimmt jedoch die Frist solcher Ernte nicht im Vorhinein, denn um Ernte zu erbringen, muss ein Korn in der Erde ruhen. Möge die Erkenntnisarbeit hoch geschätzt werden, denn jede Erkenntnis dient der Erweiterung des Bewusstseins. Es ist ein Fehler zu meinen, nur geistige, philosophische Arbeit zeitige ein Wachstum des Bewusstseins. Denkt daran, dass jede Erkenntnisarbeit eine Bewegung darstellt, und in dieser erweitert sich das Bewusstsein. Der Kosmos entfaltet sich, so auch das Bewusstsein des Mikrokosmos. Wahrlich, man kann sagen: ‘Auf jedem beliebigen Weg zum Überirdischen werde Ich dir begegnen.’ Es lässt sich nicht erahnen, wer von den sich Nähernden andere bei ihrer Erkenntnissuche überholt. Wir werden für jeden ein Wort der Ermutigung finden; wenn er es abweist, umso schlimmer für ihn. Heuchler und Hinterlistige nehmen immer mehr zu, da sie keine Vorstellung vom Überirdischen besitzen. Sie verstehen nicht, dass sie in ihrer Lüge vor allem sich selbst betrügen. Man muss sich der Physiologie zuwenden, um der sogenannten Tugend eine wissenschaftliche Begründung zu verschaffen. Das Volk darf nicht mit Abstraktheiten in Unwissenheit gehalten werden. Eine Epoche tritt ein, da selbst die höchsten Begriffe wissenschaftlich begründet werden müssen. Man darf nicht befürchten, dass geisteswissenschaftliche Begriffe durch eine Berührung mit allen anderen Wissenschaftsbereichen leiden würden. Im Gegenteil, es lässt sich nur eine weiterführende Bewusstseinserweiterung voraussehen. Man kann es nur begrüßen, wenn Gelehrte die Grundlagen der Ethik vom Standpunkt der Physiologie und übriger Wissenschaften erforschen, die die Funktion des Mikrokosmos darlegen. Auf solche Weise wird der Mensch endlich über die wahren Grundlagen des Staates nachdenken. Vergessen wir nicht, dass schon im fernen Altertum Stimmen ertönten, die dazu aufriefen, das Leben nach Gemeinschaftsprinzipien zu ordnen. Natürlich erhob sich die Unwissenheit gegen jeden Versuch einer Erneuerung des Bewusstseins. Nun lässt sich feststellen, dass die Völker zu einer bedeutenden Welterneuerung gelangen. Viele Dinge werden mit neuen Worten beschrieben, doch ist ihr Wesen dasselbe geblieben. So eilt die Welterneuerung voran. Sie hätte sich unblutig vollziehen können, doch hat das Bewusstsein der Völker die Menschlichkeit noch nicht angenommen. Der Denker sprach: ‘Da ein Volk aus Gemeinschaftswesen besteht, muss es über den Aufbau eines guten Staates nachdenken.’ Es ist wahrlich schön zu sehen, wie der Denker von einem Staat träumte, der auf den besten Prinzipien gründet.

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