Bruderschaft II, § 690

Urusvati weiß, wie unterschiedlich Unser Aufenthaltsort gedeutet wird. Die einen halten ihn für ein ganz gewöhnliches Kloster, andere bezeichnen ihn als Hexenhaus; die einen behaupten, Wir lebten in herrschaftlichem Überfluss, andere vermuten bei Uns strenges Asketentum; die einen verneinen Unsere Existenz, andere meinen, Unsere Aschrams seien überall verteilt. Man könnte eine Vielzahl verschiedener Auffassungen anführen, erwähnt werden muss jedoch eine ganz bestimmte, die nicht ganz ohne Bedeutung ist: Sie spricht davon, dass Wir nicht in einem physischen Körper lebten. Im Himalaya gebe es einen bestimmten Ort, erfüllt von Emanationen vieler Mineralien, wo ein ständiger Wirbel überirdischer Energien herrsche, der besondere Verbindungen mit der Überirdischen Welt ermögliche. So spricht man Uns zwar den physischen Körper ab, bestätigt damit aber wenigstens den überirdischen Wirbel, der die Verbindung besonderer Chemismen ermöglicht. Möge man also an die Verbindung mit dem Überirdischen erinnern, auch wenn es auf solche Weise geschieht. Besteht nicht auf der ganzen Formel, wenn jemand nützliches Verständnis einbringt, auch wenn es erst noch gering ist. Mögen sich die Wege des Wissens dann eben auf solche Weise gestalten. Erinnert euch, dass Wir kein Wissen verurteilen, auch wenn es zunächst noch gering und bruchstückhaft ist, das Wichtigste aber nicht verneint wird. Lacht nicht darüber, wenn jemand in seinem Nichtwissen Uns Attribute zulegt, die Uns fremd sind, wie beispielsweise herrschaftlicher Überfluss und Luxus. Gewöhnlich reden so einfache Menschen, für die Luxus die höchste Errungenschaft darstellt. Auf ihre Weise möchten sie Unser Dasein ausschmücken, ohne jedoch zu wissen, dass es Besseres als herrschaftlichen Überfluss gibt. Sie schmücken heilige Darstellungen mit kostbaren Steinen und meinen, damit richtig zu handeln. Sie meinen, überirdische Chemismen müssten der Verschönerung von Luxus dienen. Der Denker sprach: ‘Mensch, wenn du in einem Brunnen ein klares Bild sehen willst, so warte, bis die Oberfläche sich beruhigt hat. Ruhe ist das Gewand der Weisheit.’

‹ § 689 · Inhaltsverzeichnis · § 691 ›