Bruderschaft II, § 689

Urusvati weiß, wie oft man die grundlegendsten Wahrheiten wiederholen muss, damit sie in das menschliche Bewusstsein eingehen. Hellsichtigkeit und Hellhörigkeit bilden sich nicht auf irdische Weise, doch fordern die Menschen irgendwelche, auf ihrem Alltagsleben gründende Vorschriften. Eines kann gesagt werden: Nehmt aufmerksam und scharfsinnig jedes Aufblitzen feinstofflicher Empfindungen wahr. Man darf solche Erscheinungen nicht erwarten, muss aber für ihre Aufnahme offen sein. Eine menschlich – irdische, gezwungene Erwartungshaltung kann die höheren Annäherungen nur erschweren. Es ist hinreichend bekannt, dass die klarsten Erscheinungen unerwartet eintreten und nur gestört werden, wenn die Stimme des Vorurteils erklingt. Man darf die feinstoffliche Natur nicht zwingen, muss jedoch jede ihrer Äußerungen begrüßen. Lasst uns nicht abwägen, welche Erscheinung gerade die allerwichtigste ist. Mitunter sind scheinbar kleine Lichtblitze von größerer Bedeutung als solche, die einen erschüttern. Lernt es, die Erscheinungen zu fühlen. Welche wird tiefer im Herzen erklingen? Die Wahrheit liegt im Herzen, das Wissen liegt im Herzen, die Erleuchtung erfolgt im Herzen. Es wurde darauf hingewiesen, dass der Yoga der Liebe der kürzeste Weg sei, doch kann man ihn auch ganz richtig den Yoga des Herzens nennen. Sämtliches Erkennen des Überirdischen bildet sich im Herzen. Der Gedanke wird im Herzen geboren und dem Gehirn nur übertragen. Möge jeder, der sich dem Überirdischen zuwenden möchte, die Macht des Herzens herbeirufen, nur das Herz erklingt auf die Unbegrenztheit. Der Denker lehrte: ‘Jeder Lehrer muss ein Schüler seines Herzens sein. Ohne das Herz werden unsere sämtlichen Bestrebungen in Zerstörung enden. Kummer haben die Herzlosen!’

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