Bruderschaft II, § 665

Urusvati weiß, dass ein besonderer Anlass vorliegt, wenn Wir an Krishna, Orpheus, Zoroaster und andere Lehrer der Menschheit erinnern. Die Lehrer gaben ihre Unterweisungen, verschieden in der Sprache und im Ausdruck der Lebensbräuche, doch das Wesen des Gelehrten blieb unverändert eines. Die Arbeit einer vergleichenden Gegenüberstellung wurde bisher nicht durchgeführt. Man spricht von vergleichbaren Religionen, doch haben Wir in diesem Moment eine Auswahl der von den Lehrern gegebenen Grundlagen im Sinn. Wenn ein fleißiger Gelehrter alle Besonderheiten der Völker und Jahrhunderte auswählt, wird er an ihrem Grund Vermächtnisse finden, wie von einer einzigen Persönlichkeit gegeben. Unterscheiden kann man mehrere Individualitäten, die fortschreitend ihre Aufgabe erfüllten, die in ständiger Vervollkommnung der Menschheit bestand. In verschiedenen Jahrhunderten sprachen Lehrer, die einander nicht kannten, ähnliche Worte aus, ähnlich nicht nur dem Sinne, sondern auch dem Temperament nach. Selbst ein unkundiger Mensch kann auf den Gedanken kommen, ein Einziger habe diese Vermächtnisse gegeben. Kundige werden natürlich ihre Schlussfolgerungen ziehen. Nützlich wird eine Arbeit sein, die das Allgemeinmenschliche dieser Vermächtnisse aufzeigt. Solch eine Arbeit wird schwierig sein, da nur allgemein anerkannte Quellen verwendet werden können, anderenfalls würde man dem nicht glauben wollen. Es wird nicht gelingen, äußerst wertvolle Literaturwerke anzuführen, da man ihnen nicht glauben wird. Doch allgemein anerkanntes, historisches Material wird es gestatten, einen aufschlussreichen Vergleich zu ziehen. Die Wahrheit muss man mit anerkannten Beweisen belegen. Ungeachtet dessen, dass viele Materialien vernichtet sind, wird man genügend Aufzeichnungen finden können. Man muss die Aufzeichnungen der Schüler des Apollonius von Tyana und des Pythagoras verwenden. Aus ganzen Erzählungen lassen sich nur einige Wörter herauskristallisieren, doch diese Fragmente werden das Wesen der Lehre hinreichend beschreiben. Es wird sich erweisen, dass die verschiedenen Religionen zugehörigen Lehrer etwas Einheitliches bestätigt haben. Origenes sprach mit Worten aus mehreren Jahrhunderten, die er nie gehört haben konnte, doch bei eifrigem Studium ergäbe sich auch das Bild eines individuellen Weges. Solche Forschungen wären nützlich. Der Denker sprach: ‘Wenn ich die Erzählungen der Fremden höre, scheint es mir mitunter, als spreche ein einziger Mensch. Ich sehe unterschiedliche Kleidung, höre verschiedene Sprachen, doch das Herz erkennt einen einzigen Menschen.’

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