Bruderschaft II, § 663

Urusvati weiß, wie nutzlos eine Auseinandersetzung mit voreingenommenen Gegnern ist. Man muss verstehen, wo die Grenze einer nützlichen Verbreitung der Wahrheit ist. Man darf unmöglich dort beharrlich sein, wo das Herz versteinert und einer Aufnahme nicht zugänglich ist. Es ist schwer zu fühlen, wo die Aufnahmefähigkeit endet. Wiederum ist nur das Gefühlswissen in der Lage zu flüstern: ‘Geh fort, hier kann es kein Verstehen geben.’ Man muss die richtige Erkenntnis hüten, dass es besser ist, nicht zu Ende zu sprechen, als einen Gedanken weiterzuführen. Einige werden darauf bestehen, das ihnen übergebene Wissen müsse auch weitergeführt werden. Darin haben sie grundsätzlich Recht, doch trägt jemand anders die Verantwortung für sie. Der Lehrer darf das Bewusstsein des Schülers nicht vorzeitig belasten, da dies eine Überbelastung bedeuten würde. Möge alles zielgerichtet gestaltet werden. Hierfür macht die Kinder bereits von frühem Alter an mit der Größe und Erhabenheit des Weltalls bekannt. Mögen den Kleinen Mikroskop und Teleskop gezeigt werden. Noch besser ist es, sie in ein Observatorium zu führen. Ein solches Erlebnis wird sich tief und für immer in ihnen einprägen und eine besondere Ausrichtung des Denkens zeitigen. Man darf nicht befürchten, die Kinder verstünden das Gezeigte nicht. Sie werden das Gesehene nicht nur irgendwann verstehen, sondern auch Freude erfahren. Ebensowenig darf man fürchten, dass die Kleinen von dem Erlebnis erschüttert würden. Im Gegenteil, was ihre Weltanschauung erschüttert, sind die familiären Streitigkeiten. Ebenfalls auf ein hohes Niveau heben muss man den Begriff des Volkslehrers, und zwar dahingehend, dass er eine der ersten Persönlichkeiten des Lebens in einem Staate ist. Wir sind sehr betrübt, die Erniedrigung des Lehrers sehen zu müssen. Mögen in allen Ländern die Lehrer wahre Erzieher des Volkes sein. Sie sollten ihm so viel geben, dass das Volk ihnen ein Leben voller Errungenschaften aufbaue. Kann aber ein erniedrigter und unterdrückter Mensch vom Überirdischen sprechen, auf die Schönheit des Himmels weisen und das Bewusstsein seiner kleinen Zuhörer erweitern? Überdies sollte die Bekanntschaft mit dem Teleskop bereits vor dem Schulalter beginnen. Man darf den Kleinen die erhabensten Beobachtungen keineswegs vorenthalten. Natürlich, wenn wir den Zustand vieler ländlicher Gebiete sehen, ist der Rat bezüglich des Teleskops noch Utopie. Doch muss man dennoch damit beginnen, um des Gemeinwohls willen. Der Denker sprach: ‘Bald wird das menschliche Auge nicht mehr genügen, um das bereits Vorbestimmte sehen zu können.’

‹ § 662 · Inhaltsverzeichnis · § 664 ›