Bruderschaft II, § 655

Urusvati weiß, dass über den Begriff der Vorstellungskraft viel Bedenken besteht. So sagt man: Wenn die Phantasie für den Fortschritt so sehr notwendig ist, wie verhält es sich dann mit böser und hässlicher Vorstellungskraft? Man muss verstehen, dass solche Bedenken schon begründet sind und die Arten des Vorstellungsvermögens sehr genau voneinander zu unterscheiden sind. Es ist nicht leicht, mit einer bösen Vorstellungskraft zu kämpfen, da sie in der Regel von einer wütenden Leidenschaft bestimmt ist. Helfen kann man nur, indem man eine solche Person zum Schönen hinlenkt. Allein auf diese Weise ist eine böse Phantasie überwindbar, doch dies ist nicht leicht und erfordert viel Zeit. Eine böse Phantasie entsteht durch Atavismus. Ihr wisst, dass Atavismus, ebenso wie Gewohnheiten, fest wurzelt. Der Mensch befindet sich dann unter dem Druck der Allgemeinheit und kann sich oft selbst nicht in irgendwelchen verworrenen geistigen Strömungen zurechtfinden. Ein solcher Mensch kann kein tiefes Nachdenken über das Überirdische pflegen, da es unmöglich ist, sich diesem Bereich in Bosheit zu nähern. Wir haben viele Beobachtungen an starken Persönlichkeiten durchgeführt, die von einem bösen Vorstellungsvermögen beherrscht waren. Sie verursachen viel Schaden, und oftmals ist ihre Vorstellungskraft stärker als die Phantasie der vom Guten bestimmten Menschen. Die Heilung solcher Personen ähnelt der Heilung von Alkoholikern. Es ist auch schwer, eine Suggestion durchzuführen, doch die Hinführung zum Schönen lässt das Eis des Bösen tauen. Mögen die Schöpfer des Schönen sich erinnern, welche Bedeutung ihr Schaffen für sie hatte. Ich erachte das Schöne als einen Schild gegen das Böse. Der Denker sprach: ‘Möge sich jeder mit einem sicheren Schild versehen. Er wird ihn von den Musen empfangen.’

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