Bruderschaft II, § 639

Urusvati weiß, dass man beim Übergang in die Überirdische Welt und bei einem Besuch in ihr in sich die freudigsten Erinnerungen wachrufen muss. Wir haben oft von dieser Brücke der Freude gesprochen, doch die Menschen hören selbst besten Ratschlägen kaum zu. Einige sagen: ‘Unser Leben war düster und freudlos.’ Doch sie vergessen, dass jeder Mensch Augenblicke der Freude gehabt hat. Gerade diese Augenblicke muss man aus dem Archiv des Kelches hervorrufen. Man darf nicht glauben, dass irgendwelche Siegesposaunen oder allgemeine Anerkennung im Volk erforderlich seien. Reine Freude kommt auch im intimsten Arbeitsleben zum Ausdruck. Jeder vollbringt selbstaufopfernde Handlungen, und man muss fähig sein, alles Beste zu sammeln. Der Mensch weiß es selbst, ob er menschenwürdig gehandelt hat. Man muss solche Augenblicke in seinem Bewusstsein hüten, denn sie werden ein kostbares Gepäck darstellen. Die Brücke der Freude kann so von einer Vielzahl heller Feuer erleuchtet sein. Jeder kann verstehen, dass ein solcher Hinweis auf das Beste im Leben auch das Leichteste sein wird. Man darf sein Denken nicht an düstere und schwere Erinnerungen hängen, sonst werden einem diese das Leben wie Blutegel aussaugen. Die Misserfolge muss man vergessen, da sie im Leben jedes Tatmenschen vorkommen. Weshalb unnötig einen Schwanz von Schicksalsschlägen hinter sich herschleppen? Mögen sie nur das kosmische Lehrgeld sein. Doch Freude wird das Unterpfand künftigen Erfolges sein. Der Führer vermag dort besser zu helfen, wo die Funken der Freude erglühen. Dieser Aspekt Unseres inneren Lebens kann jedem nähergebracht werden. Der Denker sprach: ‘Man muss sämtliche Funken der Freude sammeln können, dann kann man auch ohne das Boot des Charon auskommen.’

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