Bruderschaft II, § 632

Urusvati weiß, welches der Unterschied zwischen den eigentlichen, wahren Fristen und den augenscheinlichen Fristen ist. Das Beispiel der ärztlichen Tätigkeit wird besonders aufschlussreich sein. Ein erfahrener Arzt versteht, dass eine Krankheit nicht unmittelbar vor ihrem Ausbruch entstanden ist, sondern früher. Er wird nach den eigentlichen Ursachen forschen und das gesamte Leben des Kranken erneuern. So verhält es sich auch mit der Frage der Fristen. Die Menschen halten für Frist, was sie als offenkundiges Ereignis vor sich sehen. Doch dieses wird nicht der Beginn des Ereignisses sein, wo bereits der Kurzsichtige das Geschehen erblickt. Man kann davon überzeugt sein, dass die Entstehung des Ereignisses früher erfolgt ist. Weise ist es, gerade die Entstehung von Ereignissen zu erkennen, nur dann ist man in der Lage, ihre Entwicklung und Lösung zu beobachten. Die Entstehung der Ereignisse zu erforschen ist nicht nur um der Wahrheit willen nützlich, sondern auch, um sein Denken zu prüfen. Man muss sich jeglicher Voreingenommenheit enthalten können. Möge das Denken ruhig und frei sein wie das Wasser in einem sauberen Brunnen, wo man bis auf den Grund sehen kann. Ein solches ruhiges Denken ist allerdings nicht leicht zu erreichen. Der Mensch möchte seine vorsätzliche Entscheidung unterstellen oder doch wenigstens den Weg zu dem Urteil bestimmen. Wichtig ist jedoch auch, die karmischen Folgen zu bemerken. Dafür muss man die Geschichte der Völker kennen. Allein durch solche dokumentarischen Vergleiche kann man zu einer gerechten Entscheidung gelangen. Man muss wie ein echter Gelehrter werden, dem eine wahre Schlussfolgerung wertvoll ist, auch wenn sie seiner bisherigen Auffassung widerspricht. Man muss es lernen, persönliche Auffassungen um der Wahrheit willen freiwillig aufzugeben. Der Denker wies darauf hin und sprach: ‘Nicht meine zerbrechliche Meinung, sondern der Marmor der Jahrhunderte wird unsere Schlussfolgerungen bestätigen.’

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