Bruderschaft II, § 612

Urusvati weiß, dass ein einziger Gesichtspunkt eine Weltanschauung verändern kann. Nicht nur äußere Einwirkungen setzen die Anschauungen in Bewegung, sondern auch viele Chemismen des menschlichen Organismus nehmen auf seelische Vorgänge Einfluss. Ein Anhalten des Atems oder seine Beschleunigung lassen stark wirksame Substanzen entstehen. Durch sie entstehen wiederum psychische Stimmungen, der Blutdruck wird verändert, die Gehirntätigkeit verlangsamt oder beschleunigt, und sämtliche Gefühle empfangen außergewöhnliche Impulse. Ein und derselbe Gegenstand kann auf diese Weise Freude wie Traurigkeit erregen. Nicht allein die Atmung, auch die Umgebungstemperatur wirkt auf den Zustand der psychischen Energie ein. Alles wird in Schwingung und Bewegung versetzt, weshalb der Mensch bewusst das Gleichgewicht hüten muss. Man muss das Volk mit den Grundlagen des psychischen Lebens bekannt machen. Wer dazu ein leicht verständliches Wort findet, wird eine große Tat vollbringen. Es ist die Zeit gekommen, da das Volk Aufklärung erfahren muss. Dies kann nur auf wissenschaftliche Weise geschehen, ohne Verurteilung und Verneinung. Lasst uns auf dem Feld des heutigen Tages ein neues Korn auslegen, dessen Ernte erprobt ist. Lasst uns nicht streiten, da in wahrer Wissenschaft nur unbestreitbare Erkenntnisse zur Geltung kommen. Wenn jemand Realist sein möchte, so möge er den Erkenntnisweg gewissenhaft gehen. Es ist ein schlechter Realist, der sich eine schwarze Brille aufsetzt und die Ohren zustopft. Welche Wirklichkeit wird er denn damit erkennen? Sogar Offensichtliches wird er nur entstellt wahrnehmen. Mögen die Gelehrten Bücher für das Volk vorbereiten und auf wissenschaftliche Weise über das Irdische und das Überirdische sprechen. In den Laboratorien möge die Einheit des Prinzips der Wissenschaftlichkeit bewiesen werden. Wenn schon ein Tropfen flüssigen Goldes einen ganzen Kosmos darstellt, wieviel allgemein verständliche Experimente könnten da durchgeführt werden. Das Jahrhundert des Volkes muss von wahrer Aufklärung gekennzeichnet sein. Dieses wird Großes Dienen sein, und jeder vermag daran teilzunehmen. Bei eiliger Bewegung müssen weitgreifende Maßnahmen geführt werden. Es gibt weder Altes noch Neues, sondern nur den ewigen Erkenntnisprozess. Man kann alte Überlieferungen studieren und sie verehren, doch die Evolution ist mit solchen Schritten vorangekommen, dass sie in ein Gleichgewicht gebracht werden muss. Die gewundene Evolution ermöglicht nie dagewesene Sprünge, von Steinzeitverhältnissen bis zu höchsten Erkenntnissen. Groß ist die Zeit und groß die Verantwortung! Lasst uns nicht durch Gegensätze in Furcht geraten. Kampf ist das Los des Fortschritts. Der Denker bat Seine Schüler, den Kampf nicht zu fürchten: ‘Man muss es lernen, mit dem Denken zu fliegen.’

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