Bruderschaft II, § 605

Urusvati weiß, dass Wir alles gutheißen, was im Menschen das Gefühl von echtem Rhythmus erweckt. Das Gefühl für Rhythmus ist angeboren, doch wird es leicht von chaotischen Elementen überwuchert. Auch wenn die Menschen rhythmisch handeln, sind sie größtenteils noch weit davon entfernt, die große Bedeutung des Rhythmus zu verstehen. Mitunter wünscht ein Tatmensch seiner Entscheidung etwas Rhythmisches vorauszusenden, was ihm sein Gefühl richtig eingibt und womit der Tatmensch Harmonie sucht. Selbst ein schwacher Versuch bewirkt wohltuende Folgen. Wir haben die sehr einfachen Rhythmen Mahavan und Chotavan gegeben, doch kann man auch zu sehr komplizierten Rhythmen gelangen. Erinnern wir uns der im Sanskrit, in Griechenland und Rom gegebenen Rhythmen, in denen wohldurchdachte Klangformen zu finden sind. Im Altertum wusste man bereits von der Notwendigkeit, eine Verbindung mit dem Kosmos zu suchen. In bestimmten Perioden irdischer Anspannung muss man intensiv über den Rhythmus nachdenken. Durch ihr Klagegeschrei des Entsetzens stürzen die Menschen sich in einen chaotischen Strudel. Glaubt nicht, Wir billigten große Gelage in Pestzeiten. Doch wenn ein Hindu die Bhagavad Gita singt, handelt er weise, und diese Harmonie wird heilsam wirken. Rhythmus stellt Flügel dar und dient der Zementierung des Raumes. Die Menschen suchen die Verbindung zu Uns, doch wird dazu die klare Erkenntnis des inneren Rhythmus der erste Schlüssel sein. Mit tauben Ohren kann man die beste Musik und den schönsten Gesang hören, ohne dass etwas im Herzen widerhallt, doch ein feinfühliges Herz wird im Rhythmus der Harmonie erbeben. Der Mensch wird dadurch besser, tapferer und stärker, er macht sich dadurch zu einem würdigen Mitarbeiter im Irdischen wie Überirdischen, und er erkennt die Freude. Erinnern wir uns daran, dass die Erde unter einer ungewöhnlichen Anspannung leidet. Kann man sich zurzeit des Harmagedon dem Chaos anheimgeben? Denkt an diese Erinnerung bei kleinen wie bei großen Taten. Der Mensch lernt das Nachdenken nicht im Wohlergehen, sondern im Kampf. Wird er ein Kämpfer sein, wenn er gleich in der ersten schweren Stunde den führenden Stern verliert? Wodurch wird er sich dann von dem letzten Dummkopf unterscheiden, der über nichts nachdenkt? Solch ein Mensch denkt nicht über die Stunde der Entscheidung nach, und die erschreckendsten Erscheinungen sind für ihn purer Zufall. Doch der Kluge nähert sich in solchem Moment den kosmischen Rhythmen und nimmt in solcher Rüstung tapfer den Kampf an. Dann ist er mit Uns. Der Denker sprach: ‘Herrliche Musen, in eurem harmonischen Chor verleiht ihr dem Menschen den rettenden Rhythmus.’

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