Bruderschaft II, § 594

Urusvati weiß von der tiefen Bedeutung des Schweigens. Es fällt auf, dass gewisse große Feldherren, Regenten und Führer sich vor einem wichtigen Befehl in Schweigen vertieften. Die Menschen schrieben dieses Schweigen einer Ermüdung oder Niedergeschlagenheit zu, doch tatsächlich vollzog sich ein wichtiger psychologischer Prozess. Der Regent begleitete seinen Befehl in dem Moment gedanklich bei der Durchführung. Man muss verstehen, dass ein gedanklicher Befehl durch eine Willenskonzentration verstärkt und auch der vernünftigste Befehl durch ein Abschneiden des Energiestromes in seiner Wirkung geschmälert werden kann. Es lassen sich historische Beispiele anführen, da Entscheidungen durch geringfügige Umstände zunichte wurden. Das weise Schweigen ist schon vor langer Zeit von den Völkern geschätzt worden. Die wichtigsten Taten erfolgten im Schweigen, nicht jedoch unter dem ungezügelten Geschrei der Massen. Wir haben bereits darüber gesprochen, wie schwer Harmonie erreichbar ist. Sie verliert ihre Macht durch chaotische Ströme, die durch einen undisziplinierten Willen hervorgerufen werden. Zurzeit ist die Welt krank an dieser Epidemie, die entsetzlicher als Krieg ist. So entstehen Zeiten, die schlimmer sind als Krieg. Die Menschen erkennen dies nicht an, da sie die Ursachen von Heuchelei und Lüge nicht wahrnehmen wollen. Von psychischen Erscheinungen wollen sie nichts wissen und stellen sich allen wahrhaft friedvollen Ideen feindlich entgegen. So kann man sich großer Gelübde des Schweigens erinnern. Die Tatmenschen sollten es spüren, wann ihr gutes Denken Früchte trägt. Allein ein erweitertes Bewusstsein vermag die Stunde der wahren Frist einzugeben. Unsichtbare Freunde versuchen nicht selten, einen nützlichen Gedanken zu senden, der aber unter dem Klagegeschrei der Massen nicht zugänglich ist. Der Denker sprach oft: ‘Wer ruft mich? Die Sprache eines Freundes ist jedoch nicht immer zu verstehen. Wer stört daher?’

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