Urusvati weiß, dass die Erkenntnis von Zusammenhängen zur Erkenntnis des Überirdischen führt. Vor nicht langer Zeit irrten die Menschen zwischen blindem Glauben und blinder Verneinung hin und her. Diese Verwirrung ist aus ebenfalls blinder Angst vor dem Unbekannten entstanden. Kinder fürchten sich mitunter, etwas Bestimmtes anzublicken und verschließen lieber ihre Augen mit den Händen, nur um nicht die Wirklichkeit zu sehen. Genauso versichern auch Erwachsene, dass man jenseits einer vermuteten Grenze nichts mehr wissen könne. Existiert aber ein Verbot des Wissens? Es ist verständlich, wenn ein Wilder sich irgendwelche unwahrscheinlichen Götter vorstellte, der heutige Mensch dagegen versucht, alles Existierende grundsätzlich zu leugnen. Es fragt sich, wer von beiden mehr Recht hat. Eines ist jedoch klar – in beiden Fällen regiert die Angst. Der Wilde konstruierte sich ein furchterregendes Götzenbild und ängstigt sich vor dessen Grausamkeit, doch der Verneiner ist von derselben Angst eingenommen, ohne dies bei sich anzuerkennen. Erinnern wir uns einer alten Erzählung. In einem von vielen Menschen bewohnten Haus herrschte ständig Streit. Eines Tages kam ein Einsiedler und brachte zwei völlig ähnliche Schatullen, die er in einen Winkel stellte. Er sagte: ‘Die eine enthält ein Heilmittel, doch die andere ist mit einem zerstörenden Gift gefüllt. Habt Acht auf sie, bis ich wiederkomme, doch seid euch bewusst, dass der geringste Lärm die entsetzlichste Zerstörung verursachen kann.’ Der Einsiedler ging fort, und im Hause begann eine friedvolle Stille zu herrschen. Ich frage: Welche Schatulle hat diese Verwandlung bewirkt? Aufgrund eurer Kenntnis der gewöhnlichen menschlichen Natur vermögt ihr zu antworten. Genau dieselben Ängste herrschen auch in der gegenwärtigen Zeit. Das Ende der Erzählung besteht darin, dass ein kleiner Junge in Abwesenheit der Erwachsenen die Schatullen öffnete und sich beide als leer erwiesen. Doch ebenfalls aus Furcht bekannte der Junge seine Entdeckung nicht. Zieht daraus nicht die falsche Schlussfolgerung, der Junge könnte die Hauptsache nicht bemerkt haben. So möge die Wissenschaft frei von Furcht sogar das Unsichtbare erkennen. Der Denker sprach: ‘Ich weiß nicht, wie man später eine göttliche Wissenschaft nennen wird, doch es wird sie geben. Das Überirdische wird sichtbar werden und das irdische Leben dadurch überirdisch.’