Bruderschaft II, § 579

Urusvati weiß, dass es dem Menschen überaus schwerfällt, mit seinem eigenen Denken zurechtzukommen. Durch Willensanstrengung kann er einen äußeren Gedanken zurückwerfen, doch dies bedeutet noch nicht, dass es ihm gelungen wäre, sein Bewusstsein von der Wurzel jenes Gedankens zu befreien. Es vollzieht sich ein tiefgründiger psychischer Prozess. Man kann der Auffassung sein, das Denken habe sich bereits verändert, doch der kleinste äußere Anstoß zeigt, dass die Schlange in der Tiefe lebt und bereit ist zu erwachen. Das beste Beispiel bieten die Meeresströmungen. Was hat die Oberflächenströmung gemein mit der Tiefenströmung, wo sich ein Ungeheuer regt, das sich niemals an der Oberfläche zeigt? Genau dasselbe vollzieht sich auch im menschlichen Denken. Da spricht man von der Willenskraft, die dem Denken gebieten könne. Doch Wir fragen: Von welchem Denken ist die Rede? Der Mensch kann bestätigen, dass er sich von einem bestimmten Gedanken befreit hat, wenn er überzeugt sein kann, ihn mit der Wurzel entfernt zu haben. Es ist jedoch nicht leicht, über die Tiefe des Bewusstseins eine Bestätigung abzugeben. Man kann beobachten, welch flüchtige Begleitumstände einen Gedanken hervorrufen können. Ton, Farbe, ein zufälliger Umstand vermögen eine deutliche Wiederbelebung eines längst vertriebenen Gedankens zu bewirken. Der Mensch weiß, dass es nicht nützlich ist, zu vergangenen Irrtümern zurückzukehren, und dennoch irrt er um die überflüssige Asche herum. Der Mensch muss lernen, viele Denkschichten zu unterscheiden. Er darf nicht leichtfertig anhand einer äußeren Denkschicht urteilen, die einem wütenden Orkan ausgesetzt ist. Möge der Mensch sich an vielen Erscheinungen erproben. Nicht selten scheint es ihm, dass er an etwas Bestimmtes nicht mehr denke, doch ist er in Wirklichkeit gerade tief in diesen Gedanken versunken. Eine Lehre über das Denken muss dessen verschiedene Arten aufzeigen. Der Denker bestand darauf, dass Seine Schüler sich in den verschiedenen Denkschichten erprobten: ‘Ein unsichtbarer Drache vermag sich eines Menschen zu bemächtigen.’

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