Bruderschaft II, § 565

Urusvati weiß, dass Liebe zur Menschheit die Liebe zum Heimatland nicht ausschließt. Man kann dem Irrtum begegnen, ein einzelnes Volk versinke in der Vorstellung von der Menschheit. Einige bilden sich ein, solcher Irrtum sei Zeichen eines weitgefassten Denkens. Wir haben hinreichend oft von der Menschheit als Ganzem gesprochen und ihr Aufmerksamkeit gewidmet. So ist es umso angebrachter, auch über den Begriff der Heimat, des Vaterlandes zu sprechen. Nicht ohne Grund wird ein Mensch in einem bestimmten Land geboren und gehört einem bestimmten Volk an. Karmische Bedingungen lenken den Menschen an einen bestimmten Ort. Vor der Verkörperung erkennt der Mensch die Ursachen seiner Bestimmung und stimmt sich auf diese ein. Jede Verkörperung erfolgt freiwillig. Es kann eine Abneigung bestehen, zur Erde zurückzukehren, doch wird dies schließlich unausweichlich und im letzten Moment auch zu einem freiwilligen Schritt. Die Berührung mit verschiedenen Völkern schafft eine besondere Nähe oder Entfremdung, doch gewichtige Gründe lenken den Ankömmling zu einem bestimmten Volk. Wenn man dies alles weiß, kann man die Anziehung eines Menschen zu seinem Heimatland verstehen. Beim Dienst an der Menschheit wird unzweifelhaft ein großer Teil dem Heimatland zukommen. Man darf nicht denken, dass eine besondere Liebe zum Heimatland ein beschränktes und unvollkommenes Gefühl sei. Man kann die Unvollkommenheit der Taten für das Vaterland sehen, doch wird die ihm zugewandte Bestrebung trotzdem nicht nachlassen. Karma führt den Menschen nicht allein an einen bestimmten Ort, sondern auch zu einer bestimmten Aufgabe, die dem bestimmten Volk dienen soll. Die Menschen lehnen nicht selten ihr Heimatland aufgrund verschiedener nebensächlicher Umstände ab. Sie kennen das Wesen der Dinge nicht und erfüllen auch nicht ihre karmische Aufgabe. Nicht selten geben sie ein altes zynisches Sprichwort von sich: ‘Wo es mir gut geht, dort ist meine Heimat.’ In diesem Zynismus liegt ein großer Irrtum. Wahrlich, derjenige vermag der Menschheit besser zu helfen, der es im gleichzeitigen Blick auf sein Vaterland tut. In Zwietracht geht die menschliche Würde verloren. Unter dem Trugbild allgemeinen Verständnisses verlieren die Menschen jegliches Verständnisvermögen. Dies bedeutet, man muss sich den Grundlagen, den wirklich wissenschaftlichen Grundlagen zuwenden. Die Erkenntnis der Gesetze von Ursache und Wirkung wird auch die Bestimmungen des Menschen erkennen. Aus dem Gesagten folgt nicht, dass ein heimatgebundener Mensch befangen und unglücklich wäre. Flügel vermögen ihn über die ganze Welt zu tragen. Er wird die ganze Menschheit lieben, aber auch wissen, was dem Heimatland dient. In der Lehre des Lebens muss in klarer Weise von der Bestimmung des Menschen gesprochen werden. Auf dem Weg liegen eine Menge Hindernisse und Wirren. Kaum jemand wird als Fortschrittsfeind gelten wollen. Im Wunsch nach Verallgemeinerungen ist der Mensch bereit, sich um die Völker des gesamten Planeten zu kümmern und dabei die Erfordernisse seines eigenen Heimatlandes zu vergessen. Möge der Mensch daran erinnert werden, wo seine besten Kräfte angewendet werden müssen. Der Denker strebte danach, ein der Wahrheit entsprechendes Verstehen der Heimat zu entwickeln. Er sprach: ‘Bürger, dient dem Vaterland und macht euch bewusst, dass ihr hierhergekommen seid, um eine große Aufgabe zu erfüllen.’

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