Bruderschaft II, § 562

Urusvati weiß, dass in den Chroniken mystischer Bruderschaften der Antike von vielen Hindernissen erzählt wird, die den Eingeweihten auf ihrem Wege begegneten. Anhand dieser Aufzeichnungen lässt sich sehen, dass die Bruderschaften ein umfangreiches Wissen über die Gesetze des Daseins besaßen. Die Lehrer solcher Bruderschaften setzten die Eintretenden vorher von der Unausweichlichkeit finsterer Angriffe in Kenntnis. Ängste durften die Brüder nicht verwirren; im Gegenteil, sie wussten, dass in dem Maße des Aufstiegs auch die Angriffe stärker würden. Viele Ratschläge wurden gegeben, wie Verwirrung und Zweifel zu vermeiden wären. Es existierte sogar eine feierliche Hymne, die in Zeiten besonderer Bedrückung zu singen war. Freude musste zum Ausdruck gebracht werden, wenn Ungerechtigkeit sich gegen die Brüder richtete. Es wurde auch darauf hingewiesen, welches Mitgefühl die Bedrängten umgeben musste, und man musste sie als Empfänger von Ehrenzeichen begrüßen. Auf eine weitere Bedingung wurde jedoch nicht hingewiesen: Gerade über Reichtum und Geld äußern sich die Chroniken in keiner Weise. Die Ursache dessen ist einfach – jeder in die Gemeinschaft Eintretende verzichtete auf persönliches Eigentum. Wenn er Geld besaß, legte er dies offen und alle wurden Hüter dieses gemeinschaftlichen Besitzes. Eine solche, auf vollstem Vertrauen gegründete Vereinigung konnte nur bei hohem Denken bestehen. Man darf sich nicht wundern, dass solche Gemeinschaften existieren konnten. Vom heutigen Standpunkt aus müssten sie eine unsinnige Organisation darstellen, doch in fernen Zeiten, als die Menschen keine eisernen Flügel hatten, verfügte man mitunter über Flügel des Lichts. Die Menschen erkennen nicht an, dass ihre Ahnen Aufschwünge des Denkens gehabt haben könnten, die sie zu herrlicher Selbstaufopferung führten. Doch hat die Erde auch solche Bewohner gehabt, die in der Lage waren, an das Gemeinwohl zu denken. Der Denker schlug den Mitbürgern vor: ‘Wenn ihr die Heldentat vergessen habt, so lasst uns auf den Friedhof gehen. Mögen die Sarkophage eurer Ahnen euch an die Kühnheit erinnern, in der das Leben für das Vaterland hingegeben wurde. Die Nekropolis erweist sich mitunter als lebendiger denn die Akropolis.’

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