Urusvati weiß, dass jeder Yoga eine tiefgreifende Disziplin erfordert. Daran muss erinnert werden, da einige meinen, verschiedene Yogaformen bedürften keiner tiefgreifenden Disziplin. Sie meinen, es gäbe leichte und schwere Yogaformen, und träumen von der allerleichtesten. Die innere Disziplin aller Yogaformen ist jedoch ein und dieselbe. Die Anspannung der uranfänglichen Energie muss mächtig sein. Sie bildet Immunität, die bei geöffneten Zentren so sehr notwendig ist. Irgendjemand bezeichnete den Yogi einmal als einen Menschen mit abgezogener Haut. Zwar ist dies ein grober Vergleich, doch entbehrt er nicht der Wahrheit. Gewiss, wenn ein Yogi sich keine Immunität erarbeitete, ertrüge er die Berührungen mit den räumlichen Strömen nicht. Urusvati weiß, dass einige Ströme schmerzhafte, quälend beunruhigende und sogar stechende Empfindungen vermitteln. Man kann sich vorstellen, was ohne die Bildung einer Immunität geschähe! Nun wird jemand lachen, wenn Wir sagen, dass der Hauptfaktor beim Erringen von Immunität das gute Denken ist. Wer die Kraft guter Gedanken nicht anerkennt, kann kein Yogi werden. Das gute Denken ist der beste Pförtner beim Eintritt in die Feinstoffliche Welt. Wieviele Menschen halten sich selbst für Yogis, sind aber voller Bosheit! Die Menschen nehmen an, dass eine plötzliche Erleuchtung sie zwingend über alle Hindernisse hinwegführe. Erleuchtung kann plötzlich eintreten, doch ist dafür eine große innere Anspannung erforderlich. Einen solchen Zustand muss man ansammeln. Nicht das Kreuzen der Beine, sondern die Konzentration guten Denkens bringt rasche Hilfe. Die freiwillige, täglich geübte Disziplin des Denkens zeitigt die besten Folgen. Wir kehren wiederholt zum Begriff der Freiwilligkeit zurück. Sie ist die der Disziplin am nächsten kommende Bedingung. Die kleinste Vorstellung von Zwang vernichtet alle Errungenschaften. Ein Lehrer nötigt grundsätzlich nicht, und auch der Mensch soll sich nicht Zwang auferlegen. Die Disziplin des Guten ist Freude, die sich selbst erzeugt. Welch unzerstörbare Immunität wird durch Freude geschaffen! Und die Ruhe eines Yogis rührt nicht von arroganter Gelassenheit her, sondern von innerer flammender Freude – dies ist der Weg der Disziplin. Man wird sagen: Wie einfach! Doch wissen sie nicht, dass Freude eine besondere Art der Weisheit ist. Der Denker lehrte: ‘Wer die Freude gelernt hat, der hat den Weg der Weisheit betreten.’