Bruderschaft II, § 542

Urusvati weiß, dass die Hauptgrundlage Unseres inneren Lebens das Denken ist. Es irrt, wer annimmt, ab einer bestimmten Stufe brauche das Denken nicht weiter entwickelt zu werden. Das Denken muss von Beginn an entwickelt und fortan immer weiter vervollkommnet werden. Des Mitleids wert sind jene, die meinen, in irgendwelchen feierlichen Prozessionen Leben antreffen zu können. Arbeit ist in allem, so auch in dem Bestreben des Denkens. Wir bedauern jene, die der Auffassung sind, für sie sei Denken nicht erforderlich. Ein überaus großer Teil der Menschheit denkt überhaupt nicht. Die ungeordneten Fetzen verworrener Geister dürfen nicht für Denken gehalten werden. Sie entstehen aus dem Chaos und vergehen ebenso schnell wieder wie Schneeflocken bei Tauwetter. Viele empfinden eine dem Denken gewidmete Existenz als außerordentlich langweilig. Ihr möchtet von Unserem inneren Leben erfahren. Auch wenn Ströme die mannigfaltigsten irdischen Ereignisse herantragen, finden Wir dennoch auch inmitten solcher Wirren Zeit, um nachzudenken. Die Gedankenbildung bedarf keiner langen Zeit, und ihre Klarheit und gute Organisation wird durch beständige Übung erreicht. Für solche Übungen braucht es keine bestimmte Verfassung. Wenn das Wesen dem Gemeinwohl zustrebt, wird auch jede Phase des Denkens in die gleiche Richtung gebracht. Das Denken vermag streng oder freudig zu sein, auch beständig mitfühlend und barmherzig, was eine Art Schlüssel des Denkens darstellt, doch die Klarheit der Vorstellung hängt von dem Vorrat an psychischer Energie ab. Einige meinen, bei Uns dürfte es nicht nötig sein, Uns um diesen Vorrat zu bemühen. Dummköpfe verstehen nicht, dass die Harmonie der Energie wohl gehütet werden muss. Der eine kann den Vorrat an psychischer Energie etwas langsamer wiederherstellen, der andere kann dies schneller erreichen, und einem weiteren genügt es, die Augen zu schließen und tief durchzuatmen, um einen entstandenen Verlust wieder auszugleichen. Auch Wir müssen Unseren Vorrat wieder auffüllen, dies zu leugnen wäre unwissenschaftlich. Mitunter erhaltet ihr keine rasche Antwort. In einer solchen Stunde können besonders eilige Ereignisse vonstattengehen, doch ebensogut kann es sein, dass gerade der Vorrat an psychischer Energie wieder aufgefüllt werden muss. Lasst uns über alles nachdenken, wie es auch im menschlichen Leben ist, so werden wir nicht fehlgehen. Der Mikrokosmos wird den Zustand des Makrokosmos verstehen. Auch über Unser inneres Leben denkt menschlich. Bewahrt in allen Überlegungen die Schönheit der Vorstellung und lernt es, die Vorstellung von Arbeit für das Gemeinwohl zu lieben. Der Denker sprach: ‘Wenn wir mit allen Kräften lieben würden, wären wir erfolgreich.’

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