Bruderschaft II, § 528

Urusvati weiß, dass man aus einer Vielzahl Blumen sowohl eine schöne als auch eine hässliche Girlande flechten kann, was ganz von der Zusammenstellung abhängt. So lehren Wir auch, mit jedem gemäß seinem Bewusstsein zu sprechen. Damit möchten Wir nicht den Gesprächspartner herabsetzen, sondern sehen nur viele irdische Besonderheiten voraus. Wenn selbst die Sprachen sich unterscheiden, wie dann erst die Erkenntnisfähigkeiten. An jedem Aufbewahrungsort kann man einen äußerst wertvollen Gegenstand finden. Um einen solchen Fund zu machen, muss man jedoch erst eine Vielzahl weniger wichtiger Dinge einzeln abtragen und Ordnung herstellen. Dabei kann man staubig und schmutzig werden, es kann geschehen, dass man sich Kränkungen und Lästerungen anhören muss, doch nach all diesem kann man kostbares Wissen finden. Um dem Bewusstsein entsprechend zu reden muss man vor allem dem Gesprächspartner zuhören, seine Ausstrahlungen wahrnehmen und seine Absicht verstehen. Vergessen wir nicht, dass die Menschen zahlloser Einzelheiten wegen in heftige Erregung geraten und die rettende Synthese schon nicht mehr in Betracht ziehen. Die Menschen träumen mitunter von einer physischen Weltsprache, vergessen jedoch, dass man vorher über gegenseitiges geistiges Verstehen nachdenken muss. Unter den Menschen hat sich eine besondere Art von Predigern herausgebildet, die die Denkweise ihrer Zuhörer nicht berücksichtigt. Aus solcher Überheblichkeit erwächst nicht wiedergutzumachender Schaden. Die unzulänglichen Prediger verstehen die Bedürfnisse der Zuhörer nicht und befehlen zu glauben, wobei sie vergessen, dass Glaube eine Folge des Wissens ist. Doch sind sie nicht nur selbst solchen Wissens beraubt, sondern besitzen auch keinen Magnetismus. Ich spreche nicht nur von Predigern, sondern auch von Schullehrern. Eine einfache Weisung über das dem Bewusstsein des Zuhörers gemäße Gespräch ruft viele Missverständnisse hervor. Traurig ist es, doch man muss es sagen, dass die Menschen nicht selten ihrem eigenen Bewusstsein entsprechend reden, was vor allem durch die Unfähigkeit zuzuhören geschieht. Freunde! Lernt es zuzuhören, umso leichter werdet ihr euch dem Gesprächspartner nähern können. Natürlich ist es einem erweiterten Bewusstsein leicht, die Eigenheiten des Gesprächspartners zu verstehen, doch ist eine solche Stufe frühen Erkennens selten anzutreffen, und deshalb wendet die gewohnten Maße der Menschlichkeit an. Gegenseitige Achtung wohnt in der Nachbarschaft des Mitgefühls. Der Denker lehrte, Blumengirlanden zu flechten: ‘Wer eine schöne Zusammenstellung von Blumen gefunden hat, wird auch eine nützliche Zusammenstellung von Menschen finden.’

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