Bruderschaft II, § 523

Urusvati weiß, wie hoch Wir eine geistig erfolgreiche Entwicklung schätzen. Sie muss in sich sowohl die Absage an Selbstsucht als auch die Kenntnis der irdischen Bedingungen fassen. Ein Mensch, der allem Irdischen entsagt, vermag kein rechter Richter zu sein, und wer sich in irdische Begierden versenkt, kann sich nicht zu einer Schau des Gerechten erheben. Selten jedoch ist eine Vereinigung dieser beiden Voraussetzungen zu finden; die Menschen meinen, dass sie einander widersprechen würden. Die Menschen bemerken es nicht, in welch weitem Maße geistiger Erfolg gerade in diesem ihrem Leben erreicht werden kann. Die Klöster wurden ursprünglich zur Unterstützung schwacher Geister gegründet, doch vermochten Starke auch aus dem Kloster heraus ihr Wissen weit zu verbreiten. Sie konnten niemals lange in der Wüste verbleiben; wenn sie ihr geistiges Gefäß angefüllt hatten, verspürten sie die Notwendigkeit, zu den Menschen zurückzukehren. Auf diese Weise überbrachten sie nicht nur geistige Hilfe, sondern erwarben sich auch selbst Kenntnis des Lebens. Diese letztere Bedingung wird gemeinhin nicht verstanden, da die Menschen nichts vom Gleichgewicht wissen. Als Beispiel lässt sich Unsere Bruderschaft anführen. Ohne das Verstehen der irdischen Bedingungen könnte sie nicht existieren. Wer die irdischen Bedingungen von sich weist, beraubt sich selbst der Barmherzigkeit und des Mitgefühls. Doch ohne diese Eigenschaften ist geistiger Fortschritt unmöglich. Die Lehre von einer erneuerten Welt kann nicht inmitten von Hartherzigkeit leben. Die Geisteswissenschaften vermögen sich dort nicht zu entwickeln, wo das Herz schweigt. Der Denker empfahl Seinen Schülern, den menschlichen Blick verstehen zu lernen.

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