Bruderschaft II, § 507

Urusvati weiß, dass der Begriff der Intuition Fehldeutungen ausgesetzt ist. Sogar jene, die die Intuition anerkennen, verhalten sich ihr gegenüber nicht behutsam. Man stellt es sich so vor, dass gewisse Menschen von ihr in Begeisterung versetzt werden, ohne dass von deren Seite eine Teilnahme erforderlich wäre. Es fließt etwas vom Himmel und macht die Menschen scharfsichtig. Niemand überlegt, welche Aufspeicherungen bei diesen Menschen vorhanden sein und welche Anspannungen sie erleiden müssen. Man muss es nicht für euch wiederholen, welch feinste, innerräumliche Zusammenhänge bestehen, doch widerfährt es euch oft, andere Menschen von der Notwendigkeit überzeugen zu müssen, der Intuition gegenüber behutsam zu sein. Niemand stellt sich vor, wie gering die Zahl jener ist, die diese Eigenschaft bereits entwickelt haben. Dabei kann sie nur teilweise auf bestimmte Bereiche hin ausgerichtet werden. Wenn jemand nur in Bezug auf seine Verwandten Vorahnungen hegt, physische Erscheinungen vorhersagen oder etwas Beliebiges über sich selbst bemerken kann, so bedeutet dies nicht, dass ein solcher Mensch auch zu anderen Ereignissen in Resonanz zu stehen vermag. Daher ist es richtig, von den Menschen nur das zu erwarten, was sie in einem bestimmten Moment auch geben können. Es ist ein großer Fehler, die Menschen zu etwas zu zwingen, was sie in einem gegebenen Moment nicht erfühlen können. Das Meer feinster Schwingungen ist unerschöpflich und kann von einem einzigen Menschen nicht erfasst werden. Man muss wissen, dass Intuition auch ein Verstehen des Zustandes Nahestehender erfordert. Allein bei gegenseitiger Behutsamkeit wird die innere Stimme gereinigt. Man kann die innere Stimme bis zu einem Grade verstärken, dass sie nicht mehr verstummt, doch bei der Unordnung der irdischen Schwingungen raten Wir nicht dazu, die irdischen Einflüsse in einem solchen Maße zu missachten. Stellt euch einen Menschen in der irdischen Wirklichkeit vor, der ununterbrochen seiner inneren Stimme lauscht. Er wird einem Radiohörer gleichen, der seine Arbeit liegengelassen hat, nur um von außen Kommendes zu hören. Ohne Schlaf und Nahrung wird er sterben. So möge die innere Stimme erklingen, wenn man sie mit harmonischen Schwingungen berührt. Auf diese Weise wird der Mensch mit der höchsten Welt verbunden sein, ohne den irdischen Pfad zu verlassen, und das Gleichgewicht wird nicht gestört. Die Lehrer aller Zeiten sprachen davon, dass der irdische Weg unter irdischen Bedingungen verlaufen muss. Man kann nur zeitweilig von den irdischen Aufgaben abgehen, um dann umso nutzbringender der Menschheit zu Hilfe zu eilen. Mögen die Menschen alle ihnen anvertrauten Schätze hüten, unter ihnen vor allem die psychische Energie. Man darf nicht denken, weil sie uranfänglich sei, bedürfe sie keiner Behutsamkeit. Jede kosmische Substanz erfordert Harmonie; dies ist die Ökonomie des Weltalls. Der Denker bestätigte: ‘Bewahrt Harmonie, denn man kann sie wie ein äußerst feines Gefäß zerschlagen.’

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