Bruderschaft II, § 501

Urusvati weiß, wie oft die Menschen sich beklagen, dass Vervollkommnung jegliche Art von Unglück über sie niedergehen ließe – ein ungeheurer Irrtum. Man kann überzeugt sein, dass ein Mensch, der sich tatsächlich vervollkommnet, niemals einen solchen Unsinn sagen wird. Er weiß, dass bei einer Verfeinerung des Fühlens auch viel mehr wahrgenommen wird. Überdies wird er sich nicht wundern, dass es ihm anvertraut ist, an der Schlacht um das Wohl der Welt teilzunehmen. Kann diese Schlacht etwa als ein Unglück bezeichnet werden? Nur ein Feigling kann meinen, verwesende Leichenstarre sei besser als lebensspendende Bewegung. Oftmals aber kann man Vertreter der Furcht begegnen, die ein leichenhaftes Dahinsiechen vorziehen. Sie sammeln Beispiele aus dem Leben von Helden, die ihrer Auslegung nach ein einfaches Leben führten, ohne sich in Weisheit fördernder Aktion zu offenbaren. Doch sie vergessen, dass das Denken solcher Einsiedler mitunter kosmische Macht besaß. Wer denn vermag die Kraft des Gedankens zu ermessen? Wer denn vermag nachzuprüfen, ob die diesen Denkern zugeschriebene Kraftlosigkeit ihrer Worte den Tatsachen entspricht? Über den Verlauf von Jahrhunderten haben Menschen die von anderen Menschen geprägten Worte völlig entstellt. Was soll man da erst von Jahrtausenden sagen? Dabei ist es schwer festzustellen, wer mehr entstellt hat – Freunde oder Feinde. Nicht selten haben sogenannte Freunde aus persönlichen Beweggründen den grundlegenden Sinn verzerrt. Und vergessen wir nicht, dass auch die Abschreiber ihren Beitrag geleistet haben. Ihr wisst selbst, wie groß die Zahl der Druckfehler ist! Und so war es in allen Jahrhunderten. Der Denker sprach: ‘Ich möchte wissen, in welcher Weise Meine Niederschriften weiterleben werden.’

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