Bruderschaft II, § 500

Urusvati weiß, was unstillbarer Tatendurst bedeutet. Dieses Bestreben kann unmöglich durch künstliche Maßnahmen vermittelt werden. Es muss sich in der Tiefe des Bewusstseins als Folge vieler Leben bilden. Errungenschaften solcher Art müssen besonders gehütet werden. Das erwähnte Tun ist nicht allein dem Tätigen selbst nützlich, sondern schafft eine Atmosphäre, die auch andere zu gesunder Arbeit erweckt. In Hochachtung der Arbeit sind erhabene Hymnen und Traktate verfasst worden. Das alles ist richtig und geschieht für das Wohl. Stellt euch einen Arbeiter vor, der auf Lebenszeit an eine feststehende Maschine gekettet ist. Es wird ihm nicht besser ergehen als den Rudersklaven im Altertum, die man an die Ruder ankettete oder den Sklaven, die man an Rädern befestigte. Heute sind konkrete Ketten verpönt, doch an ihrer Stelle hat man viel fester anbindende Ketten erfunden. Die Hymnen der Arbeit, an ein und derselben, täglich zu bedienenden Maschine angestimmt, könnten anders klingen. Viele solcher Arbeiter sind selbst ihrer Beweglichkeit beraubt. In solcher Eintönigkeit verläuft auch die Erholungszeit, wenn sie nicht gerade in dem Grauen der Trunksucht zum Ausdruck kommt. Es ist leicht gesagt, dass die Menschen sich nicht betäuben sollen. Man muss ihnen jedoch höherführende Wege aufzeigen. Sie werden sich die Tatsache der Fortdauer der Lebenskette aneignen und die überirdischen Chemismen erkennen. Sie werden von der Gedankenkraft erfahren und von den besten Vorstellungen. Doch müssen sie noch etwas erhalten, was sie nämlich lehrt, die Qualität der Arbeit zu erhöhen: Das Handwerk muss jedem Menschen gegeben werden. In der Handarbeit erkennt der Mensch die ewige Vervollkommnung. In jeder sozialen Stellung vermag der Mensch irgendeine handwerkliche Tätigkeit auszuüben. Durch das Handwerk bewahrt der Mensch sich die Jugendlichkeit des Denkens. Es verwandelt das Haus in einen Herd der Schönheit. Wieviel Selbständigkeit und Selbstsicherheit schafft zwanglos ausgeübtes Handwerk! Die Menschen lieben Beispiele; im Verlauf mehrerer Jahrhunderte kann man sich von der Entwicklung frei ausgeübten Handwerks überzeugen. Bei handwerklichem Tun werden auch die Hymnen der Arbeit klangvoller ertönen, und viele nützliche Verbesserungen werden entstehen. Wir haben davon gesprochen, dass der Rhythmus bei der Arbeit einen Yoga eigener Art darstellt. Bei jeder Art Yoga ist Bestrebung und Begeisterung notwendig. Und diese Blumen wachsen im Garten des Handwerks. Indem er das Handwerk liebgewinnt, lernt der Mensch auch jede andere Arbeit lieben, und desto näher wird er auch Uns sein. Der Denker lehrte, dass jene Arbeit zur Vervollkommnung führe, die Schönheit in sich trage.

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