Bruderschaft II, § 497

Urusvati weiß, dass die führende innere Stimme sich nicht immer in wörtlichen Formeln äußert. Oftmals verbleibt sie im Bereich des Impulses. Auf diese Weise erweist sich das führende Prinzip gleichsam als eine Stimmgabel, die einen Akkord hervorruft. Besonders Bemerkenswert ist jedoch, dass solche Zusammenklänge in den verschiedensten Bereichen in Erscheinung treten. Die Stimmgabel ruft auf und begeistert, doch örtliche Bedingungen und vorausgegangene Überlegungen schaffen die Formel der Tat. Der Mensch ist es nicht gewohnt, der tief verborgenen Stimme zu lauschen. Er nennt sie Stimme der Stille und hält sie in der Tiefe des Bewusstseins zurück. Kann er jedoch so all die Vorzüge eines solchen Impulsgebers nutzen? Ein kleiner Junge war traurig, dass er sein Spiegelbild im Brunnen nicht sehen konnte, da sein Bruder Steine hineinwarf. Davon vermögen viele zu erzählen, weil ihre Nächsten beständig ihr Bewusstsein verdunkeln. Gewiss ist für alle Beobachtungen und Schlussfolgerungen Ruhe des Bewusstseins erforderlich, da anderenfalls deren Gestalt verzerrt wird. Solche Ruhe ist jedoch keine Entsagung von Tätigkeit. Man kann im Gegenteil an allen besten Lebensbereichen teilhaben, wobei gleichzeitig die Oberfläche des Bewusstseins dennoch ruhig bleibt. So geschieht es, wenn der Mensch seinen zukünftigen Weg kennt. Der Denker sprach: ‘Stellen wir uns ein Mühlrad vor. Es empfängt die Wasserkraft von oben und arbeitet für die Herstellung menschlicher Nahrung. Es weiß nicht, wer sich mit dieser Nahrung sättigen wird. Es weiß nicht, wer das Korn zum Mahlen brachte. Es weiß nichts von all den Bestandteilen des Wassers, doch um es herum fließt viel Energie. Die Lehre darf die Augen nicht vor der Unermüdlichkeit der Arbeit verschließen, denn die segensreiche Welle fließt unaufhörlich.’

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